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„Ich war eher der Meinung, es sei zu früh“

„Ich war eher der Meinung, es sei zu früh“
Auf dem Schreibtisch in seinem Büro liegt eine Kugel, wie Wahrsager sie benutzen, um in die Zukunft zu sehen. „Leider habe ich noch nicht heraufgefunden, wie es funktioniert“, sagt Christian Schneider. FOTO: D. Herrmann
Christian Schneider ist der neue 2. Vorsitzende der Bruderschaft. Im Interview spricht er über seine Blitzkarriere in der Bruderschaft, darüber, was ihn am Schützenwesen in Ratingen begeistert und wie er sich künftig einbringen möchte. Von Dirk Herrmann

Von Null auf Hundert in fünf Jahren – für eine Schützenkarriere ist das ein atemberaubendes Tempo: 2013 trat Christian Schneider der Reserve Kompanie bei. Im Januar dieses Jahres wurde der 43-jährige Finanzexperte als Nachfolger von Bernhard Vogel zum 2. Vorsitzenden der Bruderschaft gewählt. Höhere Weihen nicht ausgeschlossen.

Herr Schneider, Sie waren 38 Jahre alt, als Sie der Bruderschaft beigetreten sind. Warum so spät?

Christian Schneider

: Es hat sich einfach lange nicht ergeben und ich war, muss ich zugeben, auch mit einigen Vorurteilen belastet, die sich übrigens alle nicht bestätigt haben.

Für Schützenverhältnisse haben Sie dann eine Blitzkarriere hingelegt. Nach fünf Jahren der Mitgliedschaft schon 2. Vorsitzender.

Schneider:

Zuvor hatte ich schon in der Reserve Kompanie Verantwortung übernommen, war 2. Schriftführer. Ich sehe mich als Mann der Tat. Wenn es etwas zu tun gibt dann stelle ich mich dem. Allerdings habe ich nichts wirklich angestrebt.

Sie wurden genötigt.

Schneider:

Auch nicht. Man ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt. Genauer gesagt war es Helmut Mingers, Ehrenoberstleutnant der Bruderschaft, der mich angesprochen hat und meinte, dass ich der Richtige sein könnte für den Posten des 2. Vorsitzenden. Danach gab es ausführliche Gespräche mit Heinz Nikolaus, Hauptmann der Reserve Kompanie, mit meinem Vorgänger Bernhard Vogel und natürlich mit Gero Keusen, dem Chef der Bruderschaft. Sie sagten, dass sie es mir zutrauen. Ich war eher der Meinung, es sei noch zu früh.

Aber dann haben Sie trotzdem zugesagt.

Schneider:

Vorher habe ich es mir schon sehr reiflich überlegt, mich mit meinen Umfeld, meiner Familie abgesprochen. Meine Lebensgefährtin und mein Sohn Jonas hatten natürlich Mitspracherecht. Ich habe mir mit der Entscheidung Zeit gelassen.

Jetzt sind Sie seit einigen Monaten im Amt. Wie läuft es?

Schneider:

Es sind viele Aufgaben, gerade rund um die Organisation des Schützenfestes, sogar mehr als ich dachte. Gott sei Dank gibt es viele helfende Hände. Ohne die wäre das nicht zu wuppen. Für mich gilt es jetzt, alles erst einmal mitzumachen, kennen zu lernen und in das Amt hinein zu wachsen.

Zumal Sie es vereinbaren müssen mit vielen anderen Aufgaben. Sie sind auch im Vorstand der Ratinger Jonges, Vorsitzender des Ratinger Unternehmernetzwerkes RUN, selbstständiger Finanzexperte, Dozent an der Frankfurt School of Finance & Management. Wie schaffen Sie das?

Schneider:

Gute Organisation ist alles. Dadurch bleibt mir sogar noch Zeit, meiner Leidenschaft, dem Tanzen, regelmäßig zu frönen.

Wie wollen Sie sich künftig in die Bruderschaft einbringen. Von einem 43 Jahre jungen 2. Vorsitzenden erwartet man womöglich etwas frischen Wind.

Schneider:

Ideen habe ich viele, aber die Zeit wird zeigen, was davon umsetzbar ist. Dazu muss ich mir erstmal einen Einblick verschaffen. Grundsätzlich wird es auch künftig darum gehen, einerseits Tradition zu bewahren, sich aber gleichzeitig zu entwickeln und mit der Zeit zu gehen. Das ist ein komplizierter Spagat. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, die Jugend für das Brauchtum zu begeistern. Ich sehe die Bruderschaft der Zukunft als modernes, generationenübergreifendes Netzwerk. In der Reserve Kompanie funktioniert das jetzt schon sehr gut.

Wird der aktuelle 2. Vorsitzende irgendwann die Nachfolge von Gero Keusen antreten?

Schneider:

Natürlich wurde das als Option besprochen. Aber ich habe es mir bewusst offen gelassen. So etwas kann man nicht einfach so zusagen, ohne zu wissen, was da auf einen zukäme. Es braucht auch die Akzeptanz der Kameraden und das Gefühl, der richtige Mann an der richtigen Stelle zu sein. Übrigens hat Gero Keusen versprochen, dass er noch ein paar Jahre dranhängt.

Jetzt kommt erstmal das Schützenfest. Überwiegt die Freude oder das Lampenfieber?

Schneider:

Die Freude. Natürlich werde ich das Fest diesmal anders erleben, weil ich mit in der Verantwortung stehe. Aber ich sehe das gelassen. Wenn es irgendwo ein Problem gibt, dann gibt es immer auch eine Lösung.

Werden Sie auf den Königsvogel schießen?

Schneider:

Nein, das wäre dann doch des Guten etwas zu viel. Die Konzentration liegt jetzt auf meinem neuen Amt.

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)