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Brauchtumsglocke: Ein Geschenk für die Ewigkeit

Brauchtumsglocke: Ein Geschenk für die Ewigkeit
Ein bisschen wie Don Camillo und Peppone: Bevor die Glocke angeschafft wurde, lieferten sich Pfarrer Daniel Schilling (links) und Bruderschafts-Chef Gero Keusen originelle Redeschlachten zu dem Thema. Ihnen hat’s Spaß gemacht und dem Publikum auch. Fast schade, dass das nun vorbei ist. FOTO: D. Herrmann
Seit dem 20. März hängt die neue Brauchtumsglocke in St. Peter und Paul. Was als nur halb ernst gemeinter Vorschlag begann, entwickelte sich zu einer beispielhaften Kooperation zwischen Brauchtum, Stadt, Kirche und Bürgerschaft. Von Dirk Herrmann

Am Schützenfest-Samstag gibt die neue Brauchtumsglocke ein Solo: Ab 17.10 Uhr läutet sie fünf Minuten lang ganz allein, bevor die anderen sieben Glocken mit einstimmen und die Schützengemeinde aus den umliegenden Lokationen zum Festhochamt zu rufen. Eine gute Gelegenheit also, dem klaren, hellen Ton der Neuanschaffung andächtig zu lauschen. Seit März diesen Jahres hängt sie nun hoch über Ratingen. Pfarrer Daniel Schilling muss sich manchmal heute noch zwicken: „Ich hätte nie gedacht, dass das alles so schnell klappen würde.“

Dabei hatte es doch eigentlich mit einer Art Schnapsidee begonnen, damals beim ersten Treffen von Bruderschaftschef Gero Keusen und Pfarrer Daniel Schilling im Jahr 2014, kurz nachdem letzterer in Ratingen sein Amt angetreten hatte. Eine neue Glocke für St. Peter und Paul, das wäre doch ein schönes Geschenk der Bruderschaft für die Kirche, meinte der Pfarrer halb im Spaß. Doch die Sache entwickelte sich. Bei öffentlichen Gelegenheiten lieferten sich Gero Keusen und Daniel Schilling originelle Redeschlachten zu dem Thema. „Einige verglichen uns schon mit Don Camillo und Peppone“, erzählt der Bruderschaftschef und lacht. Sein Ehrgeiz war geweckt. Einige Kameraden sahen sich schon bei E-Bay nach etwas Passendem um, nach dem Motto: „Der will eine Glocke, der kriegt eine Glocke.“

Dann entschloss sich Gero Keusen, die Angelegenheit richtig anzupacken, holte den Karneval mit ins Boot und die Ratinger Jonges, sammelte Spenden von den Bürgern. Fabian Pollheim von der Prinzengarde Rot-Weiß, Mitorganisator des Karnevalsgottesdienstes legte ebenfalls großes Engagement an den Tag. Die Mission „Brauchtumsglocke“ nahm Fahrt auf. Auch der Quartiersbeirat der Stadt zeigte sich angetan von dem Projekt und steuerte eine nicht unbeträchtliche Summe aus dem Verfügungsfond für die Innenstadt bei. Die Glocke wurde in einer Gießerei im münsterländischen Gescher in Auftrag gegeben. Im Februar kam sie in Ratingen an. Gewicht: 333 närrische Kilogramm, Höhe: rund 80 Zentimeter, Material: Kupferlegierung. Darauf zu sehen ist ein Bajazzo als Symbol für den Ratinger Karneval und auf der gegenüberliegenden Seite das Schützenmotto „Glaube + Heimat + Sitte“.

Daniel Schilling denkt gern an den Moment der Ankunft des guten Stücks: „Es waren ja viele Menschen gekommen und die waren regelrecht bewegt. Das hat mich berührt.“ Am 20. März zog ein Kran die Glocke an ihren Bestimmungsort. Seither ist St. Peter und Paul achtstimmig, eine echte Seltenheit im Bistum. So wie das ganze Projekt, von der ursprünglichen, halb im Scherz geäußerten Idee bis zum ersten Läuten. Für Pfarrer Daniel Schilling versinnbildlicht es die enge Verbindung des Brauchtums mit der Kirche: „Diese Gemeinschaft ist mir gerade auch in Zeiten, da die Kirche mit schwindenden Mitgliederzahlen zu kämpfen hat, unheimlich wichtig. Auch insofern freue ich mich riesig, dass alles so gut und so schnell geklappt hat. Die Glocke wird überdauern.“

Ein weiteres Geschenk dieser Größenordnung ist übrigens vorerst nicht geplant. Gero Keusen: „So etwas kann man ja schlecht toppen.“

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)
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