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Die jecken Geschwister

Die jecken Geschwister
„Das macht man aus tausendprozentiger Begeisterung“: Fabian Pollheim, 37, und Katrin Hofmann,33, posieren im großen Saal der Gaststätte Kessel am Pött in Eggerscheidt. FOTO: D. Herrmann
Die Liebe zum Karneval liegt bei den Pollheims in der Familie. Bei Fabian Pollheim und Schwester Katrin Hofmann haben sich die jecken Gene machtvoll Bahn gebrochen. Beide sind seit frühester Kindheit dem Narrentum verfallen. Von D. Herrmann

Fabian Pollheim sollte eigentlich in China sein, beruflich. Leider gab es Probleme mit dem Visum. Deshalb sitzt er nun, statt in Fernost, zusammen mit seiner Schwester Katrin Hofmann im großen Saal der Gaststätte Kessel am Pött in Eggerscheidt. Die beiden sprechen über sich und über Karneval und darüber, wie alles anfing oder besser: wann. "Ich bin im Januar geboren", erzählt Katrin Hofmann, "mein erstes Kostüm war ein Strampelanzug mit quietschbunten Punkten." Das Jugendamt schritt nicht ein und damit nahm das Schicksal ungehindert seinen Lauf.

Fabian Pollheim kann sich an seinen Strampler nicht mehr erinnern, doch auch er weiß noch, dass Karneval früh eine Rolle spielte. Die Eltern Hildegard und Theo Pollheim waren zu jener Zeit schon beide im närrischen Betrieb aktiv, da bekommt man als Kind einiges mit. So richtig los ging es für die Geschwister aber erst etwas später mit dem Eintritt in den RaKiKa zu Beginn der 90er Jahre. Der kleine Fabian wollte gern Prinz werden, aber die Rolle war bereits vergeben. Stattdessen trug man ihm das Amt des Präsidenten an. Besser als nix, dachte er sich und schon war der Elfjährige mittendrin im närrischen Trubel. Schwester Katrin, vier Jahre jünger, hielt mit: "Ich war halt irgendwie mit dabei und fand es toll."

Die ersten Funktionen ließen nicht lange auf sich warten. Sie wurde Pagin, dann Kinderhoppeditz und übernahm, als ihr Bruder volljährig wurde, dessen Präsidentenamt. Beide schwärmen von ihrer Zeit im RaKiKa. "Gerade als Präsident erlebt man unheimlich viel", erzählt Fabian Pollheim, "immerhin sind es rund 120 Auftritte im Jahr. Ich stand gern auf der Bühne und habe mich gefreut, den Leuten Spaß zu bringen." Sieht Katrin Hofmann genauso: "Man konnte sich ausprobieren, durfte sich etwas trauen und auch mal Fehler machen. Es war einfach ein Riesenspaß."

Die Leidenschaft haben sie sich bis heute erhalten, obzwar sie mittlerweile nicht mehr so unbefangen mit ihren aktuellen Funktionen im Karneval umgehen können. Wenn sie darüber sprechen klingt das abgeklärter. Begriffe wie Verantwortung und Ehre fallen. Fabian Pollheim ist seit 2009 Präsident der Prinzengarder Rot-Weiß, hat als solcher gemeinsam mit Jürgen Hilger-Höltgen den stets gut besuchten Karnevalsgottesdienst ins Leben gerufen. Katrin Hofmann gibt seit fünf Jahren mit Witz und Charme die "Hoppedine" (gefällt ihr besser als "Hoppeditzin"), eine Rolle, die große öffentliche Aufmerksamkeit generiert.

Die ursprünglich kindliche Begeisterung bricht bei den beiden vornehmlich an zwei Tagen in der Session durch: Altweiber und Karnevalssamstag. Dann stehen sie beim Dorfkarneval im Kessel am Pött auf der Bühne und präsentieren handgemachten Karneval. 2014 drohte die Traditionsveranstaltung einzuschlafen. Die Pollheims haben ihr neues Leben eingehaucht. Fabian Pollheim: "Das macht man mit tausendprozentiger Begeisterung." Mutter Hildegard steht ebenfalls mit auf der Bühne. Der Rest der Familie sitzt im Publikum und applaudiert. "Wir brauchen ja auch Groupies", sagt Katrin Hofmann.