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Eine Stippvisite im Schlangenloch

Eine Stippvisite im Schlangenloch
Es gab eine Menge Erklärungsbedarf auf dem Rundgang durch Ost. Die Teilnehmer hatten Fragen und Michael Lumer (rote Jacke) vom Heimatverein wusste die Antworten. FOTO: mk
Ratingen (mk). Gut 80 Teilnehmer folgten am Wochenende der Einladung des Ratinger Heimatvereins und spazierten mit Michael Lumer und Georg Hellhammer durch Ratingen Ost. Von der Redaktion

Bei strahlendem Sonnenschein brach vergangenen Sonntag eine gut gelaunte Gruppe vom Ostbahnhof aus zu einer Wanderung durch den nördlichen Bereich des Stadtteils auf. Immer wieder zeigten Michael Lumer und Georg Hellhammer während des Rundganges alte Fotos, weil viele der alten Gebäude und Geschäfte mittlerweile gar nicht mehr existieren. So wurde beispielsweise an der Kreuzung Festerstraße / An der Fest Halt gemacht, dort wo früher einmal der Eingang der Eisenhüttenwerke war. Lumer erzählte, dass dieser Betrieb einer der ersten Industriebetriebe gewesen sei, der sich Ende des 19. Jahrhunderts in Ost angesiedelt hatte und dort bis zum Umzug nach Essen im Jahre 1973 bestehen blieb. Bis 1872 die Eisenbahn kam, bestand der Stadtteil Ost fast ausschließlich aus Gehöften. Doch als die Schienenverbindung zwischen Düsseldorf und dem Ruhrgebiet stand, wurde der Standort für viele Betriebe attraktiv. Und richtig entwickelt hatte sich der Stadtteil schlussendlich nach dem zweiten Weltkrieg. Bedingt durch die Flüchtlingssituation wurde zusätzlicher Wohnraum benötigt. Die Stadt Ratingen kaufte vom Grafen von Spee zusätzliches Land, es entstand mit viel Eigenleistung und Gemeinschaftsarbeit der Siedler die Wohnsiedlung “Auf der Aue“. Auf dem Weg dort hin erzählten Lumer und Hellhammer so manche Geschichte, so zum Beispiel von den miesen Wohnverhältnissen in den Häusern an der Feldstraße zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

„Die Behausungen wurden mit einem Schlangenloch verglichen und so wurde dieser Name im Volksmund für dieses Gebiet vergeben“, erklärte Hellhammer. Die Teilnehmer der Stadtteilführung erfuhren auch von der damals vor allem bei den Arbeitern der damals ortsansässigen Papierfabrik Bagel äußerst beliebten Kneipe des Fritz Brinkmann, der “letzten Wirtschaft vor Eingang ins Angerthal“ oder auch von den Schneisen der Verwüstung, die vor knapp vier Jahren Sturmtief “Ela“ im Hahner Busch hinterließ. Immer wieder hörte man bei der etwa zweistündigen Tour Zwischenrufe der Teilnehmer wie “Ja, den hab ich auch noch gekannt … Das weiß ich auch noch ... Da war ich auch gewesen…“, wenn die beiden Stadtführer ihre Geschichten zum Besten gaben und nicht nur Zeitzeugen in Erinnerungen schwelgen ließen sondern auch den jüngeren Teilnehmern viel Wissenswertes über die noch junge Geschichte des Stadtteiles vermittelten.

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)
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