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Geflüchteten eine Chance geben

Geflüchteten eine Chance geben
Stolz präsentiert der Flüchtling Coltan aus Eritrea seinen Ausbildungsvertrag. Dazu gratulieren Ina Bisani (2. von links), Vorsitzende von Mentoring Ratingen und Vorstand Dumeklemmer-Stiftung Ratingen, sowie ihre Vorstandskollegen der beiden Organisationen. Im Hintergrund Jörg Fuchs, der Coltan eine Ausbildung zum Metallbauer angeboten hat. FOTO: pk
Ratingen (pk). Eine Initiative in Ratingen hilft Flüchtlingen dabei, sprachliche Barrieren zu überwinden. Von Pierre-Claude Hohn

Integration in allen Lebensbereichen ist für Flüchtlinge auch in Ratingen ein Riesenthema. Deshalb haben das Adam-Josef-Küppers-Berufskolleg, Mentoring-Ratingen und die Dumeklemmer-Stiftung eine Initiative ins Leben gerufen, die den geflüchteten Menschen mit dem Projekt Sprach- und Lernförderung helfen wollen, die Hürden im alltäglichen und im Berufsleben zu überwinden. Ein heißer Verfechter dieser Initiative ist der Metallbaumeister Jörg Fuchs, der seit 20 Jahren mit seinem Kompagnon Martin Barwig, in Lintorf eine Firma führt, die dringend Lehrlinge sucht, aber keine findet.

„Schlosser steht bei den Jugendlichen offenbar nicht hoch im Kurs, zudem fehlt den meisten die nötige soziale Kompetenz für solch eine Ausbildung“, sagt Jörg Fuchs. Umso begeisterter war er, als er einen Praktikanten aus Eritrea zugewiesen bekam. Der absolviert derzeit ein soziales Jahr bei der evangelischen Kirche.

„Dieser junge Mann ist so gut. Den wollen wir haben. Er hat handwerkliches Geschick, ist immer pünktlich an seinem Arbeitsplatz und bleibt auch nicht bei zehn Grad Minus im Bett liegen. Diesem Mann biete ich sofort eine Ausbildung an“, lobt Fuchs seinen künftigen Azubi. Ende August wird der 24-jährige Coltan aus Eritrea (nordöstliches Afrika) seine Ausbildung beginnen. Für Coltan geht damit ein Traum in Erfüllung. Denn in seiner Heimat hat er kaum Perspektiven.

„Bis zu meinem 60. Lebensjahr muss ich in meiner Heimat ein Leben als Soldat führen. Das macht keinen Spaß“, erklärt der junge Mann in gut verständlichem Deutsch.

Allerdings reichen diese Sprachkenntnisse noch nicht aus, um den Berufsalltag erfolgreich zu meistern. Allein die vielfältigen Fachausdrücke im Schlosser-Bereich machen schon vielen deutschen Laien zu schaffen.

Im Berufskolleg hat man erkannt, dass der Fachunterricht alleine nicht genug ist. Man müsste zusätzlich noch einen Tag für die Sprachförderung haben. Doch das gestaltet sich schwierig. Die Lehrer sind damit allein aus zeitlichen Gründen überfordert, dauert ein Schultag doch in der Regel bis 16 Uhr.

Und danach fehlt den meisten die Kraft, noch kompetenten Deutschunterricht anzubieten. Deshalb wurde die Initiative gegründet. Vorstandsvorsitzende Ina Bisani sagt: „Diese Menschen müssen von Mentoren begleitet werden, dann haben sie eine sehr gute Chance, dass die Integration gelingt.“ Demnächst werden an die 20 Auszubildenden aus aller Herren Länder am Berufskolleg ihre theoretische Ausbildung machen, wie Dietmar Viehöfer, Berufsschullehrer und Abteilungsleiter Technik, weiß. Nun fehlen nur noch genügend Mentoren und Mentorinnen, um dem Projekt eine Chance zu geben.

Diese Mentoren bringen ihr Fachwissen ein, arbeiten auf ehrenamtlicher Basis. Der wöchentliche Zeitaufwand wird maximal zwei Stunden betragen, wobei jeder Mentor jeweils einen Auszubildenden betreut. Diese Aufgabe als Mentor bietet sich vor allem für Menschen an, die etwas Zeit haben. Oftmals werden das Frauen und Männer sein, die nach ihrem Arbeitsleben ihr Wissen weitergeben und somit viel für die Gesellschaft leisten.

Wer da mitmachen möchte, sollte sich den 15. Mai im Kalender ganz dick anstreichen. Denn an diesem Dienstag lädt die Initiative zu einem Info-Abend ab 18 Uhr ins Brauhaus auf der Bahnstraße ein.

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)