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Glückseliges Schunkeln

Glückseliges Schunkeln
Das Flair der guten alten Zeit zog die Besucher der Nostalgiesitzung in seinen Bann. FOTO: Rote Funken
Eine Premiere voller Höhepunkte feierte die Nostalgiesitzung der Roten Funken am letzten Freitagabend im festlich geschmückten Bankettsaal des Landhotels Krummenweg.

Der erste Eyecatcher war das dekorative große Bühnenbild, das Ratinger Stadtbild, bekannt aus vielen Funken Sitzungen früherer Jahre, das vom Deko Team der Funken wiederbelebt wurde. Gestartet wurde das Programm mit dem Aufzug der Funken Pänz, die in einer schier nicht enden wollenden Reihe wie die Orgelpfeifen auf die Bühne marschierten. Fünkelchen und Fünkchen sowie die Jugendgarde präsentierten voller Stolz ihre neuen Gardetänze. Willibert Pauels und Jupp Menth, zwei gestandene Kölsche Redner, zogen das Publikum in ihren Bann als sie neben den von diesem Genre gewohnten Sprachwitz und lustigen Anekdoten durchaus auch kritische und schwere Themen anschnitten.

Über den Tod und über das Leben an sich, das wir hier und jetzt feiern und genießen sollten. Die Männerriege der Fleischersänger, von denen einige 70 Jahre schon überschritten hatten, vereinten Klassiker und modernes Liedgut im traditionellen Chorgesang und machten dies so stimmungsvoll, dass sich so mancher Gast im Publikum eine Träne verdrücken musste. Eine gelungene Premiere war es auch für die Dancing Horses, eine Tanzgruppe, die sich aus dem Reitercorps der Roten Funken gebildet hat. Die kreative Idee stammt von Andrea Droste, Choreografie von Marion Matthei und in liebevoller Handarbeit wurden die Kostüme gefertigt.

Als fröhliche Clowns stürmten sie die Bühne und anhaltender Applaus war am Ende Dank genug, dass sich das Training der vergangenen Monate ausgezahlt hat. Einen bunten Querschnitt traditioneller Karnevalsfiguren und Garden des Kölner Karnevals brachten die Fidelen Kölsche in zum Teil historischen Kostümen und mit viel Musik und Spaß an der Freud auf die Bühne. Damit waren sie gleichzeitig eine beste Lehrstunde über das Brauchtum in der benachbarten Domstadt. Jörg Weber kam allein mit seiner Flitsch (Kölner Ausdruck für Mandoline) und hatte das Publikum stimmgewaltig schnell in seinen Bann gezogen.

Er verfügt über enormes karnevalistisches Fachwissen und vermittelte dies in schnellem Kölsch, aber so, dass mancher Gast zwar nicht jedes Wort aber durchaus den beabsichtigten Inhalt verstehen konnte. Als die ersten Töne seiner Flitsch erklangen, war man sofort in der Zeit zurückversetzt und hatte Hans Süper (Teil des unvergessenen Colonia Duetts) vor seinen Augen, der Jörg Weber als seinen legitimen Nachfolger erkoren hat. Doch hier stand kein "Nachahmer" auf der Bühne, Jörg Weber überzeugte das Publikum mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit. Schlusspunkt des Programms waren die Jungs des Hahnenschreies, die sich der Stimmung dieses Abends anpassten. Kölsche Klassiker, schwungvolle Medleys und das neue Lied "Dat is onsere Art" brachten das Publikum zum glückseligen Schunkeln.

Es gab viel zu sehen, auch im Publikum, das sich festlich gekleidet um die Tische versammelt hatte, u. a. waren das Prinzen- und Schirmherrenpaar der letzten Session Roland und Ewa Adena und sowie David und Martina Uhr historisch gewandet, Bürgermeister Klaus Konrad Pesch sowie das Prinzenpaar Thomas III. und Traudel I. samt Schirmherrenteam RUN gaben sich die Ehre und es wurden zahlreiche Ehrensenatoren und Förderer der Funken im Saal begrüßt.

Ungewohnt im Einklang waren das Publikum und die Redner, zwischenzeitlich war es so still, dass man die Stecknadel hätte fallen hören können. So konnten die Worte nachhallen und der vermittelte Inhalt sacken. Die Service- und Küchenbrigade des Landhotels gab ihr Bestes und das Drei-Gänge-Menü war "einfach nur lecker". Präsident und Vorsitzender der Roten Funken Michael Droste führte gewohnt souverän durch das Programm und auf seine Frage am Ende des Abends, ob es 2019 eine Fortsetzung geben soll, war langanhaltender frenetischer Applaus die lautmalerische Zustimmung des Publikums. Es ist selten, dass man am Ende einer Veranstaltung so beseelt im Herzen nach Hause gehen konnte und so manch einer dachte bestimmt: "Ne wat wor dat fröher schön!" und war froh, diese gelungene Premiere miterlebt zu haben.