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"Hier fühle ich mich wohl"

"Hier fühle ich mich wohl"
Vize-Weltmeisterin und Publikumsliebling: Caroline Schäfer im Ratinger Stadion. FOTO: pk
Sport-Events, die Weltklasse-Niveau aufweisen, gibt es in Ratingen nur eines: Das Mehrkampf-Meeting. Zum 21. Mal findet es am dritten Juni-Wochenende (16./17. Juni) im Ratinger Stadion statt.

Die Vorfreude bei den Leichtathletik-Fans ist groß, denn schon jetzt steht fest, dass Carolin Schäfer in Ratingen an den Start gehen wird. Die amtierende Vizeweltmeisterin im Siebenkampf hat sich ganz auf Ratingen fokussiert, um hier die Qualifikation für die Europameisterschaft in Berlin (5. bis 12. August) klar zu machen. 6000 Punkte sind die DLV-Norm. Diese Hürde dürfte Carolin Schäfer locker schaffen, liegt ihre Bestleistung doch bei 6836 Punkten. In Götzis wird sie ende Mai ihren ersten Siebenkampf in diesem Jahr bestreiten, drei Wochen später dann in Ratingen starten. Hierauf freut sich die Polizeikommissarin ganz besonders. Denn Ratingen ist sportlich zu ihrer zweiten Heimat geworden.

"Hier fühle ich mich wohl. Die Athmosphäre ist familiär, die Zuschauer unterstützen mich. Alles ideale Bedingungen, um Bestleistungen abrufen zu können", schwärmt die Athletin. Die Leichtathletik-Freunde dürfen sich auf eine hoch motivierte Siebenkämpferin freuen. Denn satt ist sie trotz ihrer hochwertigen Erfolge noch lange nicht. "Ansonsten würde ich nicht hier sitzen und mich intensiv vorbereiten", sagt Caro Schäfer mit einem Lächeln. Sie möchte unbedingt den deutschen Rekord von Sabine Braun aus dem Jahre 1992 knacken. Dazu müsste sie ihre persönliche Bestleistung von 6836 Punkten um 150 Punkte steigern.

"Luft nach oben wäre noch genug da", ist sich Caro Schäfer sicher. Allein im Speerwurf sieht die Polizeikommissarin noch große Möglichkeiten, etwas für ihr Punktekonto zu tun. Deshalb trainiert sie auch mit dem Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler, von dem sie schon mehrere Tipps bekommen hat, um sich zu verbessern. Die aus Bad Wildungen stammende Athletin startet für die LG Eintracht Frankfurt und arbeitet dort schon seit sieben Jahren mit ihrem Trainer Jürgen Sammert zusammen. Schade findet Carolin Schäfer, dass sie derzeit aus dem deutschen Lager keine ernsthafte Konkurrenz hat. "Es hat ein großer Umbruch stattgefunden.

Denn große Namen wie Jenny Oeser oder Lilli Schwarzkopf haben ihre Karrieren beendet. Und Claudia Rath ist derzeit verletzt.  Es gibt aber einige vielversprechende Nachwuchstalente, die aber noch nicht so weit sind, dass sie bei den großen Wettbewerben wie Weltmeisterschaft oder olympische Spiele vorne mitmischen können", sagt Carolin Schäfer. Sie ist froh, dass sie ihre Ausbildung als Polizei-Kommissarin beendet hat und nun von ihrem Arbeitgeber freigestellt worden ist, um sich ganz auf den Leistungssport konzentrieren zu können. So trainiert sie nahezu täglich in Frankfurt und hält sich auch sonst fit. Dazu zählt auch eine gesunde Ernährung. So bevorzugt sie gluten - und laktosefreie Kost.

"Die ist zwar aus medizinischer Sicht nicht notwenig für mich, aber ich fühle mich einfach wohler und kann so auch mein Gewicht besser halten", begründet Caro Schäfer ihre Entscheidung. Kleine Sünden gönnt sich die lebensfrohe Athletin aber auch. "Alles in Maßen ist gesund. Auch ist mal ein leckeres Eis drin", verrät die Siebenkämpferin. Übrigens, wäre sie fast für die Leichtathletik verloren gegangen. Denn Carolin Schäfer hat in ihrer Schüler- und Jugendzeit auch Handball gespielt. Und das nicht schlecht. Immerhin hat sie es bis zur Jugendnationalmannschaft geschafft.

"Als ich gesehen hatte, dass ich Handball spielen kann, habe ich aufgehört und mich für den Siebenkampf entschieden. Diese Disziplin habe ich auch deshalb gewählt, weil ich eigentlich nichts so richtig gut kann, aber im Siebenkampf kann man ja manche Schwächen ausgleichen", berichtet die Siebenkämpferin über ihre Vielseitigkeit.  Obwohl echte Konkurrenz aus Deutschland fehlt, könnte es dennoch einen spannenden Wettkampf geben. Denn die Hallen-Vizeweltmeisterin Ivona Dadic aus Österreich wird in Ratingen starten. "Daran erkennt man, welch einen Stellenwert das Meeting in Ratingen hat", freut sich Marco Buxmann (DLV Event-Direktor). Bei den Zehnkämpfern sind alle deutschen Asse noch  im Trainingslager in Südafrika und Ende Mai in Monte Gardo (Portugal). 

Mit dabei sind auch der Vorjahressieger von Ratingen Rico Freimuth und Kai Kazmirek. Die beiden gewannen bei der WM in London vor einem Jahr Silber und Bronze. Bundestrainer Claus Marek sieht die Zehnkämpfer in Ratingen stark vertreten, zumal auch der amtierende Weltmeister Kevin Mayer (Frankreich) eventuell in Ratingen starten wird. Dabei sein könnten in Ratingen auch Matthias Brugger, der oftmals vom Verletzungspech verfolgte Michael Schrader und Manuel Eitel. Von Bedeutung ist das 21.

Ratinger Meeting aber auch für die hoffungsvollen Talente. Denn sowohl bei den Damen und Herren können sie sich für den Thorpe-Cup-Länderkampf in Fayettville (USA, Ende Juli) qualifizieren. Und dann singt Carolin Schäfer ein Loblied auf ihre Eltern: "Ohne die Unterstützung von Mutter und Vater hätte ich es nie schaffen können. Alleine die Fahrerei zum Training wäre mir nicht möglich gewesen".  Eigens dazu haben sich die Schäfers einen großen Campingwagen angeschafft, der auch in Ratingen wieder zu sehen sein wird und allein deswegen auffällt, weil auf ihm in großen Lettern "Caro Schäfer-Fanbus" zu lesen ist.