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Höseler Rekordspieler Rueber geht in Rente

Höseler Rekordspieler Rueber geht in Rente
Mark Rueber mit einem der Geschenke seiner Weggefährten: Einem zusammengebastelten Trikot seiner zwei Herzensvereine, dem SV Hösel und der Mönchengladbacher Borussia. FOTO: mz
Mit Mark Rueber beendete am vergangenen Sonntag das Höseler Fußball-Urgestein schlechthin seine aktive Laufbahn. In 22 Jahren in der "Ersten" prägte er den Dorfverein wie kein Zweiter – und erlebte dabei manch' denkwürdige Anekdote. Von Mark Zeller

Mai 1996: Die musikalischen Vorboten des bevorstehenden EM-Sommers heißen "Macarena" und "Coco Jambo", die Ratinger Jugend tanzt wechselweise im "Remix" und im "Moonlight" - und der SV Hösel kämpft um den Klassenerhalt in der Bezirksliga. Dafür würde am letzten Spieltag am heimischen Neuhaus ein Unentschieden gegen Ratingen 04/19 reichen. Doch der bereits als Meister und Aufsteiger feststehende Lokalrivale spielt auf Sieg. Als der effektive Gast in der zweiten Halbzeit mit 4:1 davon zieht, steht der SVH am Abgrund – und bringt einen besonderen Joker: Der 18-jährige A-Jugendliche Mark Rueber kommt im Abstiegsgetümmel zu seinem ersten Einsatz im Seniorenbereich – und avanciert sofort zum Protagonisten.

Rueber trifft – 2:4. Er trifft nochmal – 3:4. Kurz vor Schluss eine weitere Großchance – gehalten. Der verdiente Ausgleich bleibt ihm und den Höselern verwehrt. Und so steht für den SVH am Ende eines dramatischen Matches der Abstieg einer lange Zeit erfolgreichen Saison. Für den kleinen Dorfverein eigentlich das Ende einer Ära, doch in diesem Fall gleichzeitig der Beginn einer ganz besonderen neuen. Denn der Shootingstar dieses denkwürdigen Tages wird in den folgenden mehr als zwei Jahrzehnten die prägende Figur des Höseler Fußballs.

Vereinstreue trotz höherklassiger Angebote

Bereits ab der darauffolgenden Saison ist Mark Rueber fester Bestandteil der ersten Mannschaft und alsbald Führungsspieler. Bereits wenige Jahre später, im zarten Alter von 23 Jahren, wird er ihr Kapitän. Seine konstant guten Leistungen rücken ihn auch in den Fokus höherklassiger Vereine. Doch selbst eine Offerte des inzwischen in der Oberliga angekommenen Ratingen 04/19 kann den mittlerweile auch beruflich erfolgreichen Großhandelskaufmann nicht vom heimischen Neuhaus weglocken. Stattdessen führt er seine Höseler im Jahre 2007 zurück in die Bezirksliga und hält sich dort mit ihnen neun lange Jahre – für den kleinen Club die erfolgreichste Ära in der heute 70-jährigen Vereinsgeschichte.

Doch auch nach dem neuerlichen Abstieg 2016 bleibt der Käpt'n an Bord. So kommt er schließlich auf insgesamt 22 Jahre alleine in der ersten Mannschaft, in denen er mehr als 800 Spiele bestritt, und dabei so ziemlich auf jeder Position zu finden war – außer Torwart. Da brauchte es auch mehrere Spitznamen, wie "Rübe", "Rieper", "Rübiak" oder gar "Rübery". Mitten in seine Ära fiel auch der Umbau der Vereinsanlage im Jahre 2009, und wer erzielte wohl das erste Tor auf dem nagelneuen Kunstrasenplatz? Na klar: Mark Rueber.

Von Traktorreifen und nächtlichen Ausflügen

Zu solch einer Laufbahn gehört natürlich manch' launige Anekdote: Unter Trainer Gerd Reuter, einem Schleifer der alten Schule, musste beispielsweise zu Kräftigungszwecken ein Traktorreifen über den damals noch von roter Asche gedeckten Platz gezogen werden. Derselbe Coach verordnete Rueber und seinen Mitstreitern im Trainingslager einmal "Dienstschlaf" am hellichten Tag, als diese nach einem nächtlichen Disko-Ausflug völlig indisponiert auf dem Trainingsplatz erschienen waren. Und ein anderer Übungsleiter, Uwe Heller, wurde in dessen Heimatdorf mit einem besonderen Geburtstags-Ständchen inklusive Spielmannszug überrascht – mit Gesang von Rueber und Co.

Neue Aufgabe im Verein

Als der scheidende Kapitän nun in seinem erklärtermaßen letzten Spiel kurz vor Ende den Platz verließ, wurde die Partie unterbrochen, und Mannschaftkollegen, Freunde und zahlreiche ehemalige Weggefährten bildeten einen Spalier für ihren verdienten Kameraden. Der 4:0-Sieg gegen Rhenania Hochdahl wurde da zur Randnotiz.

Abgekämpft, mit blutigen Knien, aber rundum glücklich nahm Rueber anschließend am Clubhaus sein erstes Kaltgetränk und mehrere Präsente in Empfang. Der Rekordspieler, der seinem SVH als künftiger Sportlicher Leiter erhalten bleibt, bedankte sich sichtbar gerührt bei allen Beteiligten und äußerte noch einen Wunsch: "Ich hab' mir morgen Urlaub genommen, also lasst uns noch ordentlich zusammen feiern!" Und dieser Aufforderung kam man am Neuhaus nur allzu gerne nach...

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