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Lebenskünstlerin mit großem Herzen

Lebenskünstlerin mit großem Herzen
Multiinstrumentalistin Margarete Tuttas mit ihrem Akkordeon. Darüber hinaus spielt sie auch Gitarre und verschiedene Blasinstrumente. FOTO: pk
Bajazzo. Die Künstlerin Margarete Tuttas schuf einst die Symbolfigur des Ratinger Karnevals: den Von Pierre-Claude Hohn

Ratingen (pk).

Ratingen hat Margarete Tuttas eine ganze Menge zu verdanken. Die heute 87-jährige Lebenskünstlerin kann auf ein bewegtes Leben voller Lebensfreude zurückblicken. Die geborene Düsseldorferin hatte sich schon früh der Kunst verschrieben, trug sich schon als 16-jährige Magarete Schlösser in die Düsseldorfer Kunstakademie ein.

Auch für den Karneval hat und hatte die 87-jährige Rheinländerin ein großes Herz. So wurde auch Ratingens Straßenbauunternehmer Bernhard Wieler auf Margarete Tuttas aufmerksam. Denn Wieler, der mit zu den Initiatoren des Ratinger Karnevals zählte, wollte unbedingt eine symbolträchtige Figur für den Ratinger Karneval haben und beauftragte deshalb Margarete Tuttas, eine solche Skulptur herzustellen. Die ließ sich nicht zweimal bitten. Als Kunststudentin hatte sie das Modellieren mit Keramik erlernt. Nach vielen Versuchen hatte sie einen Clown mit Quetschkommode und Karnevalskostüm den Verantwortlichen des Ratinger Karnevals vorgestellt, und der gefiel. Damit war das Ratinger Karnevalssymbol, der Bajazzo, geboren. Malerei, Kunst- und Baukeramik unterrichtete Margarete Tuttas später auch noch sechs Jahre lang im KBW. Sie hatte früh gelernt, mit widrigen Umständen umzugehen und dabei immer mit viel Optimismus nach vorne geschaut. Auch Schicksalsschläge konnten sie nicht von ihrem Weg abbringen. Auch nicht, als der Vater ihrer drei Kinder, ein ungarischer Arzt, bei einem Unfall verstarb. Margarete brachte die Kinder allein durch. Zugute kam ihr dabei, das sie gut aussah und deshalb auch als Model in Berlin Kleider vorführte und somit gutes Geld verdienen konnte.

Eine Flasche Wein von

Joseph Beuys

Auch als Sängerin machte sie sich einen Namen, trat häufig im Düsseldorfer Apollo-Theater auf. Auch Musikinstrumente waren kein Hexenwerk für Margarete Tuttas. Noch heute zeugen ihre 25 Akkordeons, Gitarren, Blasinstrumente von Flöten und Klarinetten über Saxofon bis hin zur Tuba, Xylophone, Mandolinen und Geigen von ihren musikalischen Fähigkeiten. Bekanntschaft hat sie neben zahlreichen Showstars, Politikern und Wirtschaftsbossen auch mit intellektuellen Größen wie Günter Grass oder Joseph Beuys gemacht. „Ich habe Beuys berühmten Fettfleck in echt gesehen. Auch hat er mir einen sehr guten Weißwein angeboten, den ich aber nicht trinken wollte, da ich mit dem Auto nach Hause fahren musste. Dann nimm ihn doch einfach mit“, sagte Beuys. „Noch heute steht die Flasche Weißwein in meinem Keller. Die will ich einfach nicht öffnen, da sie viele Emotionen beinhaltet“, sagt Margarete Tuttas.

Heute lebt Margarete mit ihrem Mann Heinrich Tuttas in einer kleinen Dreizimmer-Wohnung. Stolz sind beide darauf, dass sie ihren Haushalt alleine führen können, obwohl Magarete erkrankt ist, aber trotzdem noch vor Lebensfreude sprüht.

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)