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Nur einmal in seiner Karriere war der Bart ab

Nur einmal in seiner Karriere war der Bart ab
Bernhard Vogel mit einem Erinnerungsfoto aus der Zeit als er noch Oberst der Bruderschaft war. FOTO: D. Herrmann
Seit fünf Jahren bekleidet Bernhard Vogel das Amt des 2. Vorsitzenden der Bruderschaft. In Kürze nimmt er seinen Hut. Von Dirk Herrmann

Direkt bei Amtsübernahme hat er gesagt: „Ich mache das vier bis sechs Jahre, dann ist Schluss.“ Und Bernhard Vogel hält Wort. Zur nächsten Wintergeneralversammlung hört der 56-Jährige Bäckermeister als 2. Vorsitzender der Bruderschaft auf. Ein guter Zeitpunkt für eine kleine Bilanz seines bisherigen Wirkens bei den Ratinger Schützen.

Die Anfänge

Einmal mehr waren es familiäre Bindungen, die den Ausschlag gaben. Vater Leo Vogel war Mitglied der Tellaner. Mit 14 Jahren holte er seinen Sohn in die Kompanie, vier Jahre später trat Bernhard Vogel auch der Bruderschaft bei. Damals ging das erst mit der Volljährigkeit. Einige seiner Schulkameraden waren mit von der Partie. „Eine tolle Truppe, wir hatten viel Spaß zusammen“, erinnert sich Bernhard Vogel. Der Schießsport hat ihn fasziniert. Und die vielen gemeinsamen Aktivitäten: Sport, Zeltlager, auch beim Karneval mischten die Tellaner mit.

Die Karriere

„Feiern wollen alle“, sagt Bernhard Vogel. „Verantwortung übernehmen nicht.“ Das war bei ihm anders. Bereits mit 16 Jahren übernahm er den Posten des 2. Jugendvertreters der Tell Kompanie. 1980 wurde er Jungkönig und 2. Jugendvertreter der Bruderschaft, sechs Jahre später 1. Jugendvertreter. „Es hat mir immer Spaß gemacht, mich zu engagieren“, betont Bernhard Vogel, „ich habe viel Zeit investiert.“ 1995 schoss er den Vogel ab und holte sich die Königswürde. 1997 wurde er zweiter Hauptmann der Tell-Kompanie, im Jahr 2000 Oberst der Bruderschaft. 2012 schließlich gab es eine Vakanz: Ein zweiter Vorsitzender wurde gesucht, Bernhard Vogel übernahm.

Der Abschied

Nach rund sechs Jahren im Amt hört Bernhard Vogel nun als 2. Vorsitzender auf. Es gibt bereits Gespräche über potenzielle Nachfolger, alles noch streng geheim, versteht sich. Der Wunschkandidat sollte Mitte 40 sein, engagiert und willens, irgendwann das Amt des 1. Vorsitzenden zu übernehmen, falls es Gero Keusen einfallen sollte aufzuhören. Bernhard Vogel: „Es wird ein bisschen seltsam sein, im nächsten Jahr beim Schützenfest nichts mehr zu tun zu haben außer zu feiern.“ Am meisten freut er sich darauf, mehr Zeit für die Familie zu haben, seine Frau Petra und die dreizehnjährige Tochter Emmelie – und die freuen sich natürlich auch.

Die Wette

Bernhard Vogels Erkennungszeichen ist der an den Enden leicht nach oben gezwirbelte Schnurrbart. Den hatte er schon als junger Mann. Nur einmal musste er ab. Schuld war natürlich eine Wette, und natürlich eine mit einem Schützenkameraden. „Er hat mir 100 Euro geboten, wenn ich meinen Bart abrasiere und wohl gedacht, dass ich es nicht mache. Habe ich aber doch.“

Mittlerweile ist die alte Pracht wieder hergestellt. Würde er auf eine solche Wette noch einmal eingehen? „Alles eine Frage des Preises.“

Besonderer Moment

Es gibt ein Ereignis beim Schützenfest, auf den sich Bernhard Vogel immer besonders freut. Es handelt sich um den Zapfenstreich am Samstagabend auf dem Marktplatz. „Der Marktplatz ist voller Menschen und alle sind mucksmäuschenstill. Da bekommt man Gänsehaut.“

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)