| 14.36 Uhr

Ohne die Schützen würde etwas fehlen

Ohne die Schützen würde etwas fehlen
Der ehemalige Schützenchef Karl Peters in seinem Wohnzimmer. Noch heute hat der 92-Jährige guten Kontakt zu seinen Kameraden aus der Bruderschaft. FOTO: D. Herrmann
Seit 70 Jahren ist Karl Peters Mitglied der Ratinger Bruderschaft. Viele Jahre war er ihr Vorsitzender. Und noch heute fühlt er eine große Verbundenheit mit den Schützen. Von Dirk Herrmann

Karl Peters sitzt in seinem Wohnzimmer und blättert in einem Buch, das anlässlich des 100. Geburtstages der Wilhelm Tell Kompanie veröffentlicht wurde. Besonders gerne schaut er sich eine Aufnahme aus dem Jahr 1959 an. Darauf zu sehen: das damalige Königspaar, Karl Peters und seine Frau Elsbeth, er im Anzug und mit Zylinder, sie im weißen Kleid. Grüßend schreiten sie die Front der Schützen ab. „Lange her“, sagt er, „ein schöner Moment war das.“

Er sagt es ohne Sentimentalität, einfach, weil er gern daran zurück denkt. Wie überhaupt an die vielen Jahre seiner aktiven Zeit als Schütze. 1947 fing die an. Zwei Jahre zuvor war Karl Peters aus amerikanischer Gefangenschaft nach Hause gekommen. Der Kontakt zu den Schützen kam zwangsläufig zustande, schließlich war sein Vater altgedientes Mitglied, 1931 Schützenkönig und seit 1946 Hauptmann der Tellaner. „Wir waren einige junge Männer, alle so Anfang 20, viele, die im Krieg waren“, erzählt Karl Peters, „und wir haben dann die Gruppe Jung-Tell gegründet.“

Gemeinsam haben sie alles Mögliche unternommen, viel Sport getrieben. „Ich war damals noch beweglicher“, sagt der 92-jährige und lächelt. Die Gruppe löste sich nach einiger Zeit auf, Karl Peters aber blieb bei den Tellanern und übernahm dort Ende der 50-er Jahre den Posten des 1. Schriftführers. 1967 wurde er zweiter Vorsitzender und 1970 löste er Erich Eicke als 1. Vorsitzenden ab. Eine Position, die er fortan mit ganzer Leidenschaft und Engagement ausfüllte. „Ich habe das lieber gemacht, als Schriftführer, weil ich als Chef auch mal andere machen lassen konnte“, erzählt er.

So blieb noch ausreichend Zeit für seine Frau und seine drei Töchter und natürlich für seinen Job als Ministerialdirektor im Justizministerium. 17 Jahre bekleidete er das höchste Amt in der Bruderschaft, bevor er schließlich für Josef Keusen, den Vater des aktuellen Schützenchefs, Platz machte. Natürlich bedeutete das nicht den Abschied aus der Bruderschaft, der blieb er treu. „Nachdem ich nicht mehr 1. Vorsitzender war, konnte ich beim Schützenfest auch mal richtig mitfeiern. Davor war ich hauptsächlich mit meinen Ämtern beschäftigt.“ Mittlerweile hat er dem Trubel während der Festlichkeiten abgeschworen, nur am Samstags-Gottesdienst nimmt er noch teil. Alles andere ist ihm zu viel. Kontakt zur Bruderschaft, deren Ehrenmitglied er ist, gibt es freilich nach wie vor.

Regelmäßig kommen aktive Kameraden zu Besuch, auch Schützenchef Gero Keusen, der übrigens nach Karl Peters nicht unmaßgeblicher Meinung einen tollen Job macht. „Wenn alles so bleibt, dann lebt die Bruderschaft weiter.“ Und was wünscht sich der Jubilar für die Zukunft seiner Schützen? „Die sollen sich beteiligen. An Veranstaltungen teilnehmen. Posten übernehmen. Und sie sollen viel Spaß beim Schützenfest haben. Den hatte ich auch immer.“

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)