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Ratingen 04/19: „Keiner wollte einen Fehler machen“

Ratingen 04/19: „Keiner wollte einen Fehler machen“
Auch von der Grätsche des am Boden liegenden Bocholters lässt sich Ratingens Moreno Mandel nicht stoppen. Links beobachtet der eingreifbereite Fatih Özbayrak die Szene. FOTO: pk
Ratingen (pk). Ohne Mut zum Risiko agierte die Dumeklemmerelf gegen Bocholt. Am Ende stand ein gerechtes Unentschieden. Von Pierre-Claude Hohn

Auch gegen den Tabellenvierten 1. FC Bocholt gelang dem Fußball-Oberligisten Ratingen 04/19 kein Heimsieg. Eigentlich könnte der Tabellenelfte aus Ratingen mit dem 0:0 zufrieden sein, war er doch als Außenseiter in die Partie gegangen. Vereinspräsident Jens Stieghorst antwortete auf die Frage, ob er denn mit dem Punkt leben könne: „Natürlich, was soll ich sonst machen. Zufrieden bin ich aber nicht, denn zuhause muss man gewinnen, erst recht in unserer Situation. Schließlich brauchen wir jeden Punkt, um nicht in den Abstiegskampf zu geraten.“

Möglichkeiten zum Sieg hatten die Blau-Gelben. Über weite Strecken der Partie gab das Team von Trainer Alfonso del Cueto den Ton an, arbeitete sich auch Torchancen heraus, darunter auch drei Hochkarätige. Die Bocholter hingegen beschränkten sich auf Spielkontrolle, machten das gut und lauerten stets auf Konter. So kamen die Gäste zu zwei Szenen, wo der Ball im Kasten der Ratinger hätte einschlagen können. Einmal parierte 04/19-Schlussmann Marius Gerhardt glänzend, die zweite Chance vergab der Bocholter, da sein Schuss nur um Zentimeter am langen Eck vorbeiflog. Da hätte Gerhardt keine Abwehrchance gehabt. Schon in den ersten 25 Minuten hatten die Gastgeber drei gute Möglichkeiten, um das Führungstor zu erzielen. Doch irgendwie wirkte das Ratinger Team zu nervös.

Trainer del Cueto meinte später: „Ich hatte das Gefühl, dass unsere Spieler etwas ängstlich agierten. Keiner wollte einen Fehler machen.“ Die beste Chance vergab Moreno Mandel kurz vor der Pause, als er mit seinem Fünf-Meter-Schuss aus spitzem Winkel an Bocholts Keeper Maurice Schumacher scheiterte. Nach dem Wechsel spielten beide Teams diszipliniert weiter.

Großes Risiko ging keine Mannschaft ein. Erwähnenswert war lediglich Lamidis Schuss, der noch von einem Bocholter Spieler auf der Torlinie zur Ecke abgefälscht wurde. Georg Mewes, Ratingens neuer sportlicher Leiter ab Januar 2019, meinte dazu: „Den hätte der Lamidi früher todsicher gemacht.“ In der Schlussphase wurde es noch dramatisch. Vier Minuten vor dem Abpfiff entwickelten sich im Fünfmeterraum der Bocholter unglaubliche Szenen. Nach drei Versuchen aus kürzester Distanz, kam Sergen Sezen frei zum Schuss, doch Teufelskerl Schumacher wehrte das Leder ab. So blieb es beim torlosen Remis, mit dem letztendlich auch die Gastgeber zufrieden sein konnten. Immerhin haben sie es geschafft, ohne Gegentor zu bleiben.

Zudem kreierten sie einige Torchancen, so dass durchaus ein Sieg möglich war. Bocholts Trainer Manuel Jara meinte: „Ich habe Ratingen gegen TuRU Düsseldorf beobachtet, aber heute waren sie viel stärker. Für uns war es ein glücklicher Punktgewinn, der aber nicht unverdient war, weil wir uns als Mannschaft den besseren Ratingern entgegengestellt haben. Ratingens Coach Alfonso del Cueto sagte: „Vor dem Spiel wäre ich mit einer Punkteteilung zufrieden gewesen, aber im Nachhinein nicht. Denn wir waren besser und hatten viel mehr Chancen als Bocholt.“ Mit 21 Punkten beendet Ratingen 04/19 die Hinrunde als Tabellenelfter. Das ist weitaus weniger als erwartet.

Das weiß auch del Cueto. Bis zum ersten Abstiegsplatz hat 04/19 nur noch drei Punkte Vorsprung, deshalb muss am Sonntag beim VfB Speldorf (16. mit 17 Punkten) auch ein Sieg her.

„Dieses Spiel ist ein sogenanntes Sechs-Punkte-Spiel. Ein Kellerduell, in dem wir punkten müssen und auch können“, so Ratingens Coach. Seine Forderung könnte sich durchaus erfüllen, denn die positiven Aspekte im Spiel gegen Bocholt überwogen. So konnten die Ausfälle der Stammspieler Dombayci, Pranjes und Peitz (beruflich verhindert und verletzt) mehr als kompensiert werden.

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)