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SGR: Wie Phönix aus der Asche

SGR: Wie Phönix aus der Asche
Ben Schütte hebt ab: Der Außenangreifer zeigte sich treffsicher und traf siebenmal beim 31:30-Sieg der SG Ratingen gegen den TV Aldekerk. FOTO: pk
Ratingen (pk). Solch einen Handball-Krimi wie am Samstag Abend zwischen der SG Ratingen und dem TV Aldekerk erlebt man nicht alle Tage. Von Pierre-Claude Hohn

SGR-Präsident Bastian Schlierkamp erklärte: „Ich kann mich an ein solch dramatisches Spiel nicht erinnern. Dass diese Partie mit einem Sieg für uns endete, damit hatte ich nicht mehr gerechnet, zumal wir in der zweiten Halbzeit im Angriff praktisch tot waren.“ Vor gut 200 Zuschauern setzte sich die SGR am Ende mit dem nötigen Glück und einem unbändigen Kampfesgeist mit 31:30 (16:13) durch und spricht somit weiterhin ein gewichtiges Wörtchen bei der Meisterschaftsvergabe der Regionalliga Nordrhein (4. Liga) mit.

An der Spitze der Tabelle zeichnet sich nun ein Dreikampf zwischen der SG Langenfeld, dem TSV Bonn und der SG Ratingen ab. Dass die Hausherren sich so schwer taten, war für Trainer Khalid Kahn keine Überraschung. „Ich habe immer davor gewarnt, die Aldekerker zu unterschätzen. Außerdem merkte man meiner jungen Mannschaft an, dass sie körperlich aufgrund der Doppelbelastung (Pokal und Meisterschaft) geschlaucht war.“ In den ersten 30 Minuten hatte die SGR die Partie weitgehend im Griff. Torwart Jascha Schmidt zeigte sich formverbessert. Außenangreifer Ben Schütte zeigte wie schon beim 36:28-Pokalsieg gegen die SG Langenfeld gute Form und traf fünfmal ins Schwarze. Simon Breuer lenkte wie gewohnt das Spiel und erzielte auch noch drei Tore. Dies alles sollte sich nach dem Wechsel ändern. Breuer wurde nun per Manndeckung quasi ausgeschaltet. Von nun an lief nur noch wenig im Ratinger Angriff. Nach dem 18:14-Führungstor durch Lars Jäckel blieb die SGR acht Minuten torlos. Zu allem Überfluss scheiterte in dieser Phase Kreisläufer Kai Funke, der den nach Saarlouis (2. Liga) abgewanderten Moritz Barkow ersetze, völlig freistehend am hervorragenden Gästekeeper Janik Schoemackers. So holten die Gäste Tor um Tor auf und führten nach 53 Minuten sogar mit 28:26. Nun gab keiner der Ratinger Fans auch nur einen Pfifferling für das Heimteam. Lediglich Trainer Khalid Khan hatte noch nicht aufgegeben und meinte: „Zumindest an ein Unentschieden habe ich immer noch geglaubt.“ Und dann nahm das kleine Handball-Wunder tatsächlich seinen Lauf. Schütte verwandelte zwei Strafwürfe zum 28:28.

Dann wehrte der eingewechselte Torwart David Ferne zwei schwere Bälle ab, und plötzlich war Simon Breuer, den man lange Zeit nicht mehr gesehen hatte, wieder da und traf unter dem Jubel der Fans zweimal zur 30:28-Führung. Doch Aldekerk traf im Gegenzug zum 29:30. 35 Sekunden waren noch zu spielen, als Ratingens Trainer eine Auszeit nahm.

Perfekt machte Carsten Jacobs den Sieg mit seinem siebten Treffer zum 31:29. Der Treffer zum 30:31 kurz vor dem Abpfiff hatte keine Bedeutung mehr. „In diesem Spiel haben wir eine wichtige Erfahrung gemacht. Nämlich, dass wir etwas reißen können, selbst wenn die Lage aussichtslos erscheint“, sagte Trainer Khalid Khan und fuhr fort: „Nun müssen wir uns regenerieren und Kräfte sammeln, um die kommenden Aufgaben gut zu bewältigen.“

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)