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So hat Ratingen gewählt

Die mit Spannung erwartete Bundestagswahl 2017 mobilisierte 78,9 % der
Ratinger Wahlberechtigten und erhöhte damit die Wahlbeteiligung gegenüber
der Vorwahl um 2,9 Prozentpunkte.

Der stetig zunehmende Trend per Brief abzustimmen setzte sich weiter fort
und führte zu einem neuen Briefwahlrekord in Ratingen. Mit 18.394 Wahlscheinanträgen, 2.527 mehr als bei der Vorwahl, wurde der bisherige
Spitzenwert bei Bundestagswahlen von 15.698 Anträgen im Jahr 2005 weit
überschritten. 96,5 % aller Wahlberechtigten, die einen Wahlschein beantragt
hatten, haben auch gewählt. Jeder dritte Wähler stimmte per Brief ab. Der
Briefwähleranteil bezogen auf die Gesamtzahl der Wähler stieg gegenüber der vorherigen Bundestagswahl um 4,1 Prozentpunkte.

Bei den ungültigen Erst- und Zweitstimmen ist ein Rückgang zu verzeichnen.
Der Anteil ungültiger Erststimmen liegt mit 1 % um -0,1 Prozentpunkte und
derjenige der ungültigen Zweitstimmen mit 0,7 % um -0,2 Prozentpunkte unter
den Vorwahlergebnissen.

Ergebnisse für die Gesamtstadt Ratingen

Beide große Parteien büßten sowohl bei den Erst- als auch bei den
Zweitstimmen ein. Der Erststimmenanteil für den Wahlkreiskandidaten der CDU, Peter Beyer, rutschte mit 42,7 % auf ein historisches Tief ab. Lediglich 1972 wurde ein noch geringerer Wert (39,8 %) erreicht. Für das Direktmandat reichte es dennoch aus. Peter Beyer zieht erneut mit 39,3 % der Erststimmen direkt in den Bundestag ein.

Kerstin Griese von der SPD kam mit 14.426 Erststimmen auf magere 27,1 %.
Sie verlor 3.178 Stimmen gegenüber 2013 und verschlechterte ihr Vorwahlergebnis um -6,8 Prozentpunkte. Es war das schlechteste Erststimmenergebnis für die SPD in Ratingen überhaupt.

Die erstmals kandidierende Dr. Anna-Tina Pannes konnte für die FDP aus
dem Stand satte 10,1 % holen und gegenüber dem Vorwahlkandidaten
beachtliche Gewinne in Höhe von 7,8 Prozentpunkte aufweisen. Dahinter steht ein absoluter Zuwachs von 4.186 Stimmen.

Die CDU erreichte in Ratingen nur noch 34,9 % der Zweitstimmen und sackte
damit auf ein Rekordtief ab. Mit einem Verlust von – 4.674 Stimmen und
einem Rückgang um -9,9 Prozentpunkten fiel sie unter ihren bisherigen
Tiefstwert von 2009, wo sie auf 36,3 % kam. Betrachtet man das Verhältnis
gültiger Parteistimmen bezogen auf alle Wahlberechtigten, die sogenannte
Mobilisierungsquote, zeigt sich sehr deutlich ein Mobilisierungsdefizit. Konnte
die CDU bei der Vorwahl noch 33,7 % aller Wahlberechtigten für sich
mobilisieren, so waren es aktuell nur noch 27,3 %.

Die SPD ist mit 21,5 % ebenfalls auf ein historisches Tief abgesunken. Damit
blieb sie zum dritten Mal in Folge unter der 30 %- Marke. Sie verringerte ihr
Vorwahlergebnis um – 6,3 Prozentpunkte und verlor – 2.979 Zweitstimmen.
Ihre Mobilisierungsquote schrumpfte von vormals 20,9 % auf 16,8 %.

Während sich die Wahl auf Bundesebene zu einem spannenden Rennen um
den dritten Platz entwickelte, waren die Positionen in Ratingen früh klar. Die
FDP behauptete sich souverän mit 18,4 % als drittstärkste Partei. Nach ihrer
herben Niederlage von 2013 stellte sich für die FDP wieder ein für Ratingen
traditionelles zweistelliges Ergebnis ein. Mit einem Zugewinn von 5.977
Zweitstimmen ( 11,0 Prozentpunkten) ist die FDP haushoher Gewinner dieser
Bundestagswahl. Mit 14,4 % gelang es ihr nahezu annähernd so viele
Wahlberechtigte zu mobilisieren wie der SPD. Mit 7,4 % erzielten die GRÜNEN ein ähnliches Ergebnis wie 2013 (7,0 %). Sie konnten ihr Wählerpotential leicht steigern von 5,2 % auf 5,8 %.

Die LINKEN verbesserten mit 6,3 % ihr Vorwahlergebnis um 1,6 Prozentpunkte. Die AfD legte in der Wählergunst auch in Ratingen, wenn zwar in geringerem Umfang als auf Bundesebene, deutlich zu. Mit 8,4 % und 4.466 Zweitstimmen wurde sie in Ratingen viertstärkste Kraft. Sie erhöhte ihren Zweitstimmenanteil um 4,0 Prozentpunkte.

Im Zuge des Stimmensplittings erhielten die CDU und die SPD traditionell
mehr Erst- als Zweitstimmen. Der Erststimmenüberhang fiel für die CDU höher aus als bei der vorangegangenen Bundestagswahl (7,8 Prozentpunkte
gegenüber 5,4 Prozentpunkte 2013). Bei der SPD war es genau umgekehrt.
Während 2013 der Erststimmenvorsprung 6,2 Prozentpunkte betrug, sank er
aktuell auf 5,6 Prozentpunkte. Die AfD weist von den übrigen Parteien den geringsten Abstand zwischen Erst- und Zweitstimmen auf (-0,6 Prozentpunkte).

Ergebnisse in den Gemeindewahlbezirken

Auch wenn ein direkter kleinräumiger Vergleich zur Vorwahl aufgrund geänderter Wahlbezirkseinteilungen nicht möglich ist, lässt sich feststellen, dass die Wahlbeteiligung in allen Wahlbezirken höhere Werte aufweist. Im Wahlbezirk 24 (Homberg) kletterte die Wahlbeteiligung auf sage und schreibe 90,6 %. In weiteren elf Wahlbezirken liegt sie über 80 %, 2013 war dies nur in acht Wahlbezirken der Fall. Eine traditionell hohe Wahlbeteiligung war auch
diesmal in den Bezirken 19 - 22 in Hösel, Breitscheid und Eggerscheidt zu
verzeichnen. Das Wahlinteresse in den Wahlbezirken in Ratingen West (10,
11, 12) fiel mit Werten zwischen 58,8 % und 69,1 %. am geringsten aus. Bei
der Wahl 2013 lag der Tiefstwert noch bei 54,9 %.

Die CDU konnte in keinem Gemeindewahlbezirk mehr die 50 %- Marke erreichen. Ihren höchsten Zweitstimmenanteil erzielte sie im Wahlbezirk 20 in
Hösel mit 41,2 %. In fünf Wahlbezirken, verteilt auf Zentrum und Ratingen
West, rutschte sie bei dieser Wahl erstmals sogar unter 30 % ab. Selbst in ihren angestammten Hochburgen in Ratingen West schaffte es die SPD nur noch im Wahlbezirk 12 auf 30,6 % zu kommen. In allen übrigen Bezirken lag sie darunter. Den geringsten Stimmenanteil musste sie im Wahlbezirk 20 in Hösel mit 11,0 % hinnehmen. In acht Wahlbezirken wurde sie von der FDP überholt.

Die GRÜNEN schnitten in elf Wahlbezirken im Vergleich zur Gesamtstadt überdurchschnittlich ab. Im Wahlbezirk 4 in Ratingen Ost erzielten sie mit 10,1 % den höchsten, in Bezirken in Tiefenbroich und Ratingen West mit Werten zwischen 4,8 % und 3,9 % den geringsten Zuspruch. Die LINKEN erhielten ihre besten Wahlbezirksergebnisse in den Wahlbezirken 11 und 12 in Ratingen West mit 8,8% bzw. 8,7%. In den Hochburgen von CDU und FDP schnitten sie am schlechtesten ab.

Die FDP erreichte in den ehemaligen Hochburgen der CDU ihre Spitzenwerte. Im Wahlbezirk 20 in Hösel kam sie mit 29,1 % dicht an die 30 %-Marke heran. In sieben Wahlbezirken liegt sie bei 20 % und mehr. Lediglich in einem Wahlbezirk in Ratingen West weist sie mit 9,3 % ein einstelliges Ergebnis auf.