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Stadt bleibt dabei: Die Zeder muss fallen

Stadt bleibt dabei: Die Zeder muss fallen
Außen prächtig, innen faul: Die Zeder im Poensgenpark soll gefällt werden. FOTO: D. Herrmann
Die Atlaszeder im Poensgenpark muss gefällt werden, da deren Standsicherheit nicht länger gewährleistet werden kann. Dies teilt die Stadtverwaltung Ratingen mit und kündigt die nötige Maßnahme innerhalb der nächsten Wochen an.

Um die Fällung der Zeder zu verhindern, hatte eine Bürgerinitiative ein eigenes Gutachten über den Zustand des Baumes erstellen lassen und der Verwaltung zur Verfügung gestellt. "Wir haben dieses Gutachten intensiv ausgewertet und gelangen zu dem Schluss, dass  sich die bisherigen Untersuchungsergebnisse der Verwaltung zum sehr schlechten Zustand der Atlaszeder leider bestätigen", erklärt Bürgermeister Klaus Pesch. Genauer gesagt: Die Schalltomographie des Gutachtens der Bürgerinitiative untermauert die bisherigen Ergebnisse der Verwaltung durch zahlreiche Bohrwiderstandsmessungen. Über zwei Drittel des Bauminneren im Stammwurzelbereich sind instabil.

Das Gutachten der Bürgerinitiative mit dem Titel "Gutachten zur eingehenden Untersuchung einer Zeder zur Beurteilung der Verkehrssicherheit im denkmalgeschützten Poensgenpark in Ratingen" basiert auf der Anwendung und Auswertung fachlicher Verfahren (Bohrungen und Schalluntersuchung) zur Beurteilung der Holzfestigkeit im unteren Stammbereich des Baumes.

Auch wenn der Gutachter im Titel die Verkehrssicherheit als gutachterlichen Prüfungsgegenstand darstellt, so wird im Gutachten selbst ausdrücklich darauf hingewiesen, dass durch die gewählten Untersuchungsmethoden "keine Aussage zur Standsicherheit getätigt werden" könne und zudem "eine Überprüfung der Standsicherheit nicht Inhalt dieser Untersuchung" gewesen sei.

Bei genauer Betrachtung der Fotodokumentation und der Auswertungsdiagramme können aus dem Gutachten der Bürgerinitiative folgende Schlüsse gezogen werden:       

1. Die Bohrungen, die zum Teil zu einem "positiven" Ergebnis geführt haben, wurden fälschlicherweise am Übergang der Wurzeln in den Stamm durchgeführt, also an nur punktuell "dickeren" Wurzelstellen. An diesen Punkten ist natürlicherweise noch etwas mehr gesundes und stabiles Holz vorhanden als sonst im gesamten Stammdurchmesser. Die belastbaren Messungen zur Beurteilung der Standsicherheit hätten aber richtigerweise zwischen diesen Wurzelübergängen durchgeführt werden müssen, weil hier der Baum am ehesten versagen wird. Der Gutachter der Bürgerinitiative verweist in seinem Gutachten selbst auf die Untersuchungsmethode des anerkannten Baum-Spezialisten Prof. Dr. Claus Mattheck, der wie folgt zu zitieren ist: "Die geringsten Restwände und daher auch meist die Pilzfruchtkörper befinden sich zwischen den Wurzelanläufen. Daher muss dort gebohrt werden." Somit sind die Bohrungsergebnisse des Gutachters der Bürgerinitiative auf Grund der falsch gewählten Bohrpunkte nicht aussagekräftig.

2. Der Gutachter der Bürgerinitiative weist außerdem fälschlicherweise die aus mehreren Schichten bestehende Baumrinde ebenfalls als gesundes und stabiles Holz aus. Diese Aussage überrascht und irritiert deshalb, weil diese äußere Stammschicht bekanntlich nicht zur Standsicherheit eines Baumes beiträgt und bei einer solchen Bewertung keine Aussagekraft hat. 

3. Im Gutachten der Bürgerinitiative sind neben einer ausgedehnten Holzzersetzung zahlreiche weitere Defekte im Stamm aufgeführt. Die Aufnahmen bestätigen die Ergebnisse der Verwaltung aus den letzten Jahren. Hierauf geht der Gutachter jedoch nicht ein. Zur Veranschaulichung werden in der folgenden Grafik die Verfahrensergebnisse des Gutachters der Bürgerinitiative (Farbgrafik, links) und der Verwaltung überlagert (rechts). Hierbei können in vereinfachter Darstellung die rot-orangen-gelben Flächen als pilzbefallene Holzbereiche angesehen werden. Die grünen (links) bzw. grauen Bereiche (rechts) zeigen die geringen Stammflächen, die noch zur gesicherten Standfestigkeit der Zeder beitragen. Die Anforderungen gemäß Baumkontrollrichtlinien hinsichtlich Standsicherheit sind nicht erfüllt.

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