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„Zum Abheben gab es nie einen Anlass“

„Zum Abheben gab es nie einen Anlass“
Bodenständig: Michael Schleicher (links) und Peter Hense vom Karnevalsausschuss. FOTO: D. Herrmann
Peter Hense, 1. Vorsitzender des Karnevalsausschuss Ratingen und Stellvertreter Michael Schleicher im Gespräch.

(dir) In der vergangenen Session machten Samuel und Jacinta Awasum als erstes schwarzes Karnevalsprinzenpaar deutschlandweit Furore. Dem kurz zuvor neu formierten Ratinger Karnevalsausschuss (KA) war mithin ein echter Coup gelungen, es herrschte Aufbruchstimmung bei der hiesigen Narrenschar. Was ist davon übrig geblieben? Ein Gespräch mit Peter Hense und Michael Schleicher, dem 1. und dem 2. Vorsitzenden des KA.

Herr Hense, wie gefällt Ihnen das diesjährige Prinzenpaar Roland I. und Ewa I. Adena, sind Sie zufrieden mit den beiden?
Peter Hense: Absolut! Der Spaßfaktor stimmt. Die beiden sind ja fast Karnevalsneulinge und mussten erstmal in ihre Rollen hineinwachsen. Mittlerweile sind sie vom Jecken-Virus infiziert, das spürt man mehr und mehr bei jedem Auftritt.

In der letzten Session gab es einen riesigen Medienrummel um Samuel I. und Jacinta I. Awasum. Diesmal geht es wieder ruhiger zu. Zurück auf dem Boden der Tatsachen quasi.
Peter Hense: Zum Abheben gab es nie einen Anlass.
Michael Schleicher: Stimmt! Deshalb haben wir uns auch früh für das diesjährige Motto entschieden: "Mer häwe nit af, mer bliewe om Bode". Jedes Prinzenpaar ist besonders, auch das aktuelle. Roland und Ewa sind authentisch und mit Leidenschaft bei der Sache, das merken die Leute und das kommt an.

Der Karnevalsausschuss hat sich 2016 neu aufgestellt mit dem erklärten Ziel, Dinge zu verändern. Konnten Sie schon etwas bewegen?
Schleicher: Eines der wichtigsten Ziele ist, dass der Karneval in Ratingen zusammenwachsen soll. Das zeichnet sich ab. Die Distanz zwischen den Vereinen schrumpft. So war beispielsweise bei der Tingeltour der Roten Funken erstmals auch die Prinzengarde Blau Weiß mit von der Partie. Außerdem wird die Prinzenbegleitung jetzt von allen Vereinen gestemmt. Das ist eine Entwicklung, an der wir weiter arbeiten wollen.

Veränderungen gab es auch bei der Figur des Hoppeditz. Die Rede fand erstmals öffentlich vor St. Peter und Paul statt.
Hense: Wir haben den Hoppeditz wieder auf die Straße gebracht, um der Bedeutung dieser Figur gerechter zu werden.

Kritische Stimmen haben die Resonanz als mäßig bezeichnet.
Hense: Wir waren damit sehr zufrieden. Diejenigen, die dort waren, sind nur für Katrin Hofmann und ihre Hoppeditzrede gekommen. Es war ein erster, erfolgreicher Schritt, diese Figur wieder stärker im Ratinger Karneval zu verankern.

Welche Themen wollen Sie in Zukunft noch verstärkt angehen?
Peter Hense: Es wird immer schwieriger, Kandidaten für das Prinzenpaar zu finden. Wir möchten die Auswahl in der Breite vergrößern und dabei auch jüngere Menschen für das Amt gewinnen können. Da müssen und werden wir Lösungen finden. Die Überlegungen hierzu befinden sich allerdings noch in einem frühen Stadium.
Schleicher: Gleiches gilt übrigens für das Thema Schirmherren, auch da müssen wir uns bewegen. Dabei stellt sich unter anderem die Frage, ob es noch sinnvoll ist, sich nur auf ein oder zwei Firmen zu konzentrieren. Tatsache ist, dass wir uns finanziell breiter aufstellen müssen. Und da müssen wir uns in absehbarer Zeit etwas einfallen lassen.

Weil alles immer teurer wird?
Hense: Ist tatsächlich so. Beispiel Rosenmontagszug: Das vorgeschriebene Sicherheitskonzept wird immer aufwendiger und unter anderem deshalb kostet die Veranstaltung uns wesentlich mehr, als noch vor einigen Jahren. Bis 2020 können wir die Finanzierung planen. Danach müssen wir schauen, wie wir das weiter stemmen können.

Ratingen ohne Rosenmontagszug, das wäre eine mittlere Katastrophe.
Schleicher: Wir arbeiten daran, dass es nicht so weit kommt. Das Gute ist: Wir haben ein tolles Team im KA und mittlerweile auch eine gute Kommunikation mit den Vereinen, obendrein auch eine sehr brauchtumsfreundliche und hilfreiche Stadtverwaltung. Zusammen kriegen wir das hin.