: „Es ist kein Volksfest mehr“

: „Es ist kein Volksfest mehr“

Im Interview erzählt Schützenchef Dr. Andreas Preuß von den Plänen der Bruderschaft, das Schützenfest attraktiver zu machen und so mehr Besucher anzulocken.

Lintorf (dir). Im Jahr 2015 wurde Andreas Preuß zum 1. Vorsitzenden der Lintorfer Bruderschaft gewählt. Der neue Chef präsentierte sich seinerzeit guten Mutes und voller Tatendrang.

Fit für die Zukunft wollte er die Schützen machen, Veränderungen sollten her. Schon damals war ihm klar, dass er gegebenenfalls dicke Bretter würde bohren müssen. Dennoch konnte er einige Neuerungen auf den Weg bringen. Darunter eine Satzungsänderung, die es nun zum Beispiel auch Menschen anderer Religionen als der christlichen, sowie Geschiedenen und Wiederverheirateten erlaubt, Teil der Bruderschaft zu werden.

Ein wichtiger Schritt für mehr Vielfalt und nicht zuletzt natürlich mehr Mitglieder, denn deren Zahl ist tendenziell rückläufig. Auch die Resonanz auf die öffentlichen Veranstaltungen während des Schützenfestes könnte nach Ansicht des Chefs noch etwas besser ausfallen. Deshalb sollen weitere Änderungen, vor allem im Ablauf der Festivitäten, auf den Weg gebracht werden.

Herr Preuß, Sie sind als Chef der Bruderschaft angetreten, um für frischen Wind zu sorgen und den Verein den veränderten Zeiten anzupassen. Konnten Sie Ihre Ideen in den vier Jahren Ihrer Amtszeit so umsetzen, wie Sie sich das vorgenommen hatten?
Andreas Preuß: Tatsächlich habe ich anfangs gedacht, es sei leichter. Das Beharrungsvermögen mancher Leute ist schon erstaunlich. Als Argument gegen Veränderungen höre ich häufig: Das haben wir aber doch immer so gemacht.

Was soll man da sagen?
Preuß: Es gilt zu überzeugen. Und oft funktioniert das ja auch. Insbesondere das letzte halbe Jahr hat mir Mut gemacht. Da sind auch viele gute neue Ideen aus den Reihen der Bruderschaft gekommen.

Es wird also in absehbarer Zeit weitere Veränderungen geben?
Preuß: Ja, wir wollen vor allem den Ablauf des Schützenfestes weiter optimieren.

Warum ist das notwendig?
Preuß: Zunächst geht es darum, die Gemeinschaft innerhalb der Bruderschaft weiter zu stärken –- weg von der Fokussierung auf das Kompanieleben. Darüber hinaus möchten wir aber auch wieder mehr Besucher zu den öffentlichen Veranstaltungen des Schützenfestes locken, insbesondere auch jüngere Menschen. Eigentlich ist das, was wir hier machen gar kein Volksfest mehr, weil hauptsächlich Vereinsmitglieder anwesend sind. Das war früher mal ganz anders. In den 80er Jahren haben am Schützenmontag gegen Mittag die Geschäfte in Lintorf geschlossen und die Menschen feierten mit den Schützen.

Das mit der Geschäftsschließung werden Sie schwerlich wiederbeleben können.
Preuß: Kaum. Wir haben aber ein paar Maßnahmen diskutiert und für gut befunden, die wir dann schon im nächsten Jahr umsetzen könnten. Dazu zählt zum Beispiel, dass wir am Montag, den Gottesdienst auf 11 oder 12 Uhr verlegen, damit die Leute ausschlafen können. Das Königsschießen soll auch später beginnen, statt um 13 Uhr, erst um 17 oder 18 Uhr. Dann hätten die meisten Menschen schon Feierabend und könnten zum Schützenplatz kommen. Außerdem entstünde nach dem Schießen nicht diese Pause bis zum Krönungsball im Festzelt. Die Leute bleiben am Platz.

Und an den restlichen Tagen bleibt alles wie gehabt?
Preuß: Auch da haben wir uns Gedanken gemacht. Am Sonntag könnte es ein gemeinsames Mittagessen geben, eventuell sogar mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Und das Feuerwerk überlegen wir von Samstag auf Sonntag zu verlegen, das würde den Samstag komprimieren und den Sonntag attraktiver für Besucher machen. Allerdings gab es auch den Gedanken, das Feuerwerk ganz wegfallen zu lassen und von dem Geld eine Live-Band zu finanzieren, die dann am Samstag statt DJ für Unterhaltung sorgen könnte. Da ist aber noch nichts entschieden.

Wie groß sind die Widerstände gegen solche Veränderungen?
Preuß: Wie gesagt: Viele der neuen Ideen stammen gar nicht von mir, sondern kommen aus der Bruderschaft. Und genau das stimmt mich absolut optimistisch. Es geht voran.

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