Für Ratingen, für Karneval, für Integration

Für Ratingen, für Karneval, für Integration

Der Trubel um ihre Regentschaft sprengt alle Grenzen: Samuel I. und Jacinta I. Awasum, geboren in Kamerun, seit 2013 Ratinger — das erste schwarze Prinzenpaar in Deutschland.

Es bleibt kaum Zeit zum Durchschnaufen: Seit Wochen hetzen Ratingia Jacinta I. und Prinz Samuel I. von Termin zu Termin. Dazwischen immer wieder Anfragen der Medien. Wer schon alles da war? "Bild am Sonntag, taz, Spiegel Online, Stern, RTL ..." Samuel Awasum sitzt mit einem Glas Wein am Esstisch in seiner Wohnung und überlegt kurz. Dann winkt er ab: "Ich weiß nicht mehr genau, es waren viele, sehr viele." Neben ihm sitzt seine Frau, eine Hand auf der Schulter ihres Mannes. Die beiden sehen überhaupt nicht müde aus, aber sie sind es. Eigentlich wäre heute ihr freier Tag, jetzt gibt es doch wieder zwei Termine. Die Mutter des Prinzen passt oben auf die zwei kleinen Kinder auf. Sie ist extra für die Zeit der närrischen Regentschaft aus Kamerun angereist.

Als sie hörte, dass ihr Sohn in in Deutschland Prinz wird, dachte sie zunächst an Queen Elisabeth, erzählt Samuel Awasum: "Sie war ganz aus dem Häuschen." Das hat sich mittlerweile gelegt. Die häufigste Frage, die das Paar von den Medien gestellt bekommt: Wie schafft ihr das? Antwort: Einfach durch. Zweithäufigste Frage: Wie kommt ihr bei den Menschen an. Antwort: Super! Und das hilft natürlich. Der Medienhype ist eine Sache und die ist vor allem anstrengend. Aber wenn sie mit ihrem Gefolge auf der Bühne stehen, dann blühen sie auf, dann geht es auch nicht mehr um ihre Hautfarbe, sondern nur um ihre Persönlichkeit. "Den Menschen etwas zu geben, Freude zu bereiten — das macht so viel Spaß", sagt der Prinz. Auch das Verhältnis zur Gefolgschaft könnte nicht besser sein. Man pflegt den gleichen Humor. "Manchmal komme ich nach Hause und habe Schmerzen vor Lachen", erzählt Jacinta Awasum.

Das Video einer Autofahrt mit den Adjutanten Bernd Conrad und Michael Schleicher, ein Renner auf Facebook, zeigt, was gemeint ist: das Prinzenpaar singend und groovend auf der Rückbank. Aber es gibt auch diese Momente: Prinz Samuel steht auf der Bühne, erklärt die Bedeutung des Prinzenordens mit den verschränkten Händen in verschiedenen Hautfarben, und die Leute stehen auf und applaudieren. Der 34-Jährige ist seit 2014 Vorsitzender des Ratinger Integrationsrates, es liegt also nahe, dass er seine Popularität und die seiner Frau nutzt, um eine Botschaft zu transportieren.

Und die lautet: Toleranz und Miteinander. Samuel Awasum: "Wir machen das hier für Ratingen, für den Karneval und für die Integration." Dafür nehmen sie den Stress gerne in Kauf. Der wird, je näher die tollen Tage rücken, freilich nicht geringer. Trotzdem freuen sich die beiden riesig auf den Rosenmontagszug, aber auch darauf, anschließend zur Ruhe zu kommen. "Wir vermissen unsere Kinder", sagen sie.

Dem Karneval wollen sie in jedem Fall treu bleiben. All die Leute, mit denen sie jetzt so oft zusammen waren, sind ihnen ans Herz gewachsen, eine große Familie; die verlässt man nicht einfach wieder. Und wer weiß, vielleicht fängt ja sogar der Nachwuchs Feuer. Jacinta Awasum hätte nichts dagegen: "Wenn meine Tochter sagen würde, dass sie Prinzessin werden will, dann würden wir sie natürlich unterstützen. Vielleicht ist das dann ja auch keine so große Sache mehr wie bei uns, sondern ganz normal." Es klingelt an der Tür. Nächster Termin: Der Jugendrat möchte ein Werbevideo für die Altweiberparty drehen. Von wegen freier Tag.