Interview mit Oberst Peter Krümmel von der St. Sebastiani Bruderschaft Ratingen

Oberst Peter Krümmel im Interview : „Die Pferde brauchen gute Nerven“

Oberst Peter Krümmel über die Sicherheit beim Schützenumzug und darüber, welche Fähigkeiten Reiter und Pferd mitbringen müssen, um bei dem Spektakel dabei sein zu dürfen.

Er ist der Höhepunkt des Ratinger Schützenfestes: der große Umzug am Schützensonntag ­- ein buntes Spektakel, das jedes Jahr tausende Zuschauer anlockt. Organisiert wird das Großereignis vom derzeit aus acht Mitgliedern bestehenden Aktiven Corps der St. Sebastiani Bruderschaft mit Oberst Peter Krümmel an der Spitze. Der Zug ist in vier Abschnitte unterteilt, deren jeder von zwei Mitgliedern des Aktiven Corps hoch zu Ross angeführt wird. Insgesamt marschieren, reiten oder fahren rund 1000 Menschen mit. Dazu gibt es 35 bis 40 Pferde und 12 bis 15 Kutschen. Tiere und Reiter müssen sich der besonderen Situation gewachsen zeigen. Bei allem hat der Sicherheitsaspekt oberste Priorität.

Herr Krümmel, welche Eigenschaften sollte ein Pferd, das am Schützenumzug teilnimmt, mitbringen?

Peter Krümmel: Es braucht vor allen Dingen gute Nerven. Kaltblüter sind besonders geeignet. Oder generell schwerere Pferde. Man kann und muss die Tiere aber auch entsprechend schulen, sie langsam an die Situation, die Geräuschkulisse heranführen. Viele unserer Pferde beim Zug stellt Heinz Witting zur Verfügung. Der lässt auch schon mal eine Kapelle vor dem Stall aufspielen, um die Tiere an die Musik beim Zug zu gewöhnen.

Und wie sieht es mit den Reitern aus, wieviel Können und Erfahrung sind notwendig, um beim Umzug jederzeit sicher im Sattel zu sitzen und das Tier unter Kontrolle zu behalten?

Krümmel: Alle, die bei uns zu Pferde unterwegs sind, haben einen Reiterpass. Das haben wir uns freiwillig auferlegt. Dabei geht es um den Nachweis bestimmter Fähigkeiten beim Reiten, aber auch im Umgang mit dem Pferd im Allgemeinen. Die Prüfung nimmt der Pferdesportverband Rheinland ab. In diesem Jahr haben neun Schützen den Reiterpass bekommen. Allerdings sind die meisten unserer Reiter ohnehin wesentlich höher qualifiziert, das gilt sowohl für die Mitglieder des Aktiven Corps als auch für die des Reitercorps.

Müssen die Fahrer der Kutschen ebenfalls einen Tauglichkeitsnachweis erbringen?

Krümmel: Die brauchen einen Kutschenführerschein. Den lasse ich mir auch persönlich zeigen. Darüber hinaus muss jeder Kutschenführer beim Umzug eine Begleitperson dabei haben. Das steht jetzt auch verbindlich so in unserem Sicherheitskonzept, nachdem sich im letzten Jahr zwei Teilnehmer nicht an die ungeschriebene Regel gehalten haben. Wer diesmal keine Begleitperson hat, fährt nicht mit.

Beim Rosenmontagszug 2018 in Köln sind Kutschenpferde durchgegangen. Mehrere Menschen wurden verletzt. Ist das ein Ereignis, das Sie und das Organisationsteam noch einmal zusätzlich sensibilisiert hat?

Krümmel: Absolut. Wir haben uns daraufhin einige Dinge auferlegt, freiwillig. Wie zum Beispiel den Reiterpass. Die Regel, dass wir niemals direkt vor einer Kapelle reiten oder mit einer Kutsche fahren, gilt bei uns schon lange. Wir reiten hinter den Kapellen. Für die Tiere ist das deutlich angenehmer.

Stehen Sie eigentlich im Austausch mit dem Ratinger Karnevalsausschuss, für den die Sicherheit beim Rosenmontagszug ja auch jedes Jahr ein großes Thema ist?

Krümmel: Natürlich sprechen wir miteinander und unterstützen uns. So sind beispielsweise beim letzten Rosenmontagszug Verkehrskadetten zum Einsatz gekommen. Das hat so gut funktioniert, dass wir das beim Schützenzug in diesem Jahr auch machen werden. Erwähnen muss man in diesem Zusammenhang aber auch die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt, der Feuerwehr und der Polizei.

Der Zug in diesem Jahr ist der achte mit Ihnen als Oberst. Sie reiten vorne weg. Können Sie das Spektakel genießen oder steht die Sorge ums Gelingen im Vordergrund?

Krümmel: Es macht Spaß. Wenn das nicht so wäre, würde ich es nicht machen. Aber natürlich ist man auch etwas erleichtert, wenn am Ende alles gut gegangen ist. Bislang ist ja in Ratingen noch nichts Gravierendes passiert. Und wir tun alles, damit das auch so bleibt.

(dir)