Ratingens Schützenchef Gero Keusen im Interview

Brauchtum : „Wir wollten uns öffnen und das haben wir getan“

Ein Gespräch mit Schützenchef Gero Keusen über die jüngst beschlossenen Änderungen in der Satzung der Bruderschaft.

Nach drei Jahren intensiver Diskussion, hat die St. Sebastiani Schützenbruderschaft bei der Sommergeneralversammlung am 21. Juni eine Satzungsänderung verabschiedet. Wichtigste Neuerung in der Satzung: Der Passus, dass nur Mitglied werden kann, wer entweder katholisch oder evangelisch ist gehört nun der Vergangenheit an.

Die Religionszugehörigkeit ist bei der Aufnahme in die Bruderschaft nicht mehr von Bedeutung. Auch Menschen anderen Glaubens als dem christlichen oder Konfessionslose können Mitglied werden. Das Geschlecht allerdings spielt sehr wohl noch eine Rolle: Frauen bleiben außen vor. Für Bruderschaftschef Gero Keusen geht es immer wieder darum Tradition und Moderne unter einen Hut zu bringen.

Herr Keusen, die Bruderschaft hat lange gerungen, bevor sie die Satzung geändert hat. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Gero Keusen: Wir haben uns Zeit gelassen, wollten uns keinen Druck machen, das stimmt. Es gab eine engagierte und, wie ich finde, fruchtbare Auseinandersetzung in mehreren Arbeitsgruppen. Alle Schützen waren angehalten, sich zu beteiligen und viele haben diese Möglichkeit auch wahrgenommen und sich eingebracht. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Wir wollten uns öffnen, das war das Ziel und das haben wir erreicht. In der Satzung steht nun, dass auch Menschen die nicht katholisch oder evangelisch sind, in die Bruderschaft eintreten können.

Wie groß waren die Widerstände gegen diese doch recht einschneidende Veränderung?

Keusen: Es gab lange und im gegenseitigen Respekt geführte Diskussionen, insbesondere auch mit einigen Mitgliedern für die die Bewahrung dieser Tradition eine Herzensangelegenheit ist, aber am Ende haben wir das einvernehmlich entschieden, mit über 90 Prozent Zustimmung.

Die Kirchenaustritte nehmen zu und es ist ein offenes Geheimnis, dass auch in der Bruderschaft einige Mitglieder keiner Kirche angehören. Jetzt muss sich da niemand mehr genötigt fühlen, die Unwahrheit zu sagen.

„Glaube, Heimat, Sitte“ haben sich die Schützen auf ihre Fahnen geschrieben.

Keusen: Das ist und bleibt unser Leitmotiv. Und wer bei uns mitmachen möchte, der muss auch verstehen, dass der christliche Glaube unsere Herkunft ist und das wird auch nicht aufgeweicht. Wie gesagt, es geht schlicht darum, sich zu öffnen. Und zwar für alle, die gut finden, was wir machen und gern dabei sein möchten. Viele andere Bruderschaften haben diesen Schritt bereits vollzogen und bewiesen, dass dabei die Identität nicht verloren gehen muss. Ich denke es ist wichtig sich zu öffnen und sich zeitgemäß zu präsentieren, ohne die Traditionen zu vernachlässigen.

Zur neuen Offenheit der Bruderschaft zählt jetzt auch die passive Mitgliedschaft.

Keusen: Richtig. Zunächst aber gilt, dass es das Ziel ist Mitglieder für eine aktive Mitgliedschaft in den Kompanien zu werben. Es gibt Leute, die möchten Teil der Bruderschaft sein und uns als Mitglied unterstützen, sich dabei aber nicht an eine bestimmte Kompanie binden oder mit Uniform beim Zug mitlaufen. Für diese gibt es jetzt die Möglichkeit einer passiven und fördernden Mitgliedschaft.

Wie steht es mit dem Thema „Frauen in der Bruderschaft“: Wurde das im Laufe der Diskussionen angeschnitten?

Keusen: Wir haben sehr erfolgreiche weibliche Mitglieder bei den Sportschützen, die ja auch zur Bruderschaft gehören. Darüber hinaus war das zu keiner Zeit in den Satzungs-Kommissionen ein Thema.

Warum nicht?

Keusen: Wir haben einfach eine bestimmte „DNA“ in unserer Bruderschaft und das seit ihrer Gründung im Jahr 1433. An dieser Tradition wollen wir derzeit nicht rütteln, unsere Position ist da völlig klar und ich bin davon überzeugt, dass wir mit dieser Position eine hohe Akzeptanz bei den Menschen in Ratingen haben. Im Übrigen ist bislang noch nie eine Frau an uns herangetreten mit dem Wunsch, in die Bruderschaft einzutreten.