SGR: Kleiner Kader mit großem Herzen

SGR: Kleiner Kader mit großem Herzen

Die SG Ratingen liefert einen bewundernswerten Kampf und gewinnt. Doch der Trainer warnt vor zu viel Euphorie.

Wer geglaubt hatte, die Superleistung des Handball-Viertligisten SG Ratingen gegen den TV Aldekerk ließ sich nicht mehr toppen, der wurde am Samstag eines besseren belehrt. Denn gegen den Angstgegner TuS Opladen setzte das Team von Trainer Khalid Khan noch einen drauf und besiegte die Gäste mit 30:26 (14:11).

Dieser Sieg im Verfolgerduell verdient allein deswegen hohe Beachtung, da Trainer Khan quasi nur noch über einen Auswechselspieler verfügte. Neben den Langzeit-Verletzten Jan Kerssenfischer und Fabian Clausen gesellte sich nun auch noch Marcel Müller. Außerdem ist Ole Völker noch nicht fit. Da schwärmte Trainer Khan: „Unter diesen Umständen war es eine Super-Leistung.“

Gleichzeitig trat der Coach aber auf die Euphoriebremse: „Solch eine Leistung kann man mit einem Mini-Kader, wie wir ihn zur Zeit haben, nicht wiederholen. Das hält man höchstens mal 40 Minuten oder allenfalls ein Spiel durch.“ Und ausgerechnet nun steht die SG Ratingen vor dem Spiel beim Tabellenführer TSV Bonn (14:2 Punkte). Die SGR hat es bislang auf 11:5 Zähler gebracht. Vor dem Spiel hatte Khan noch gesagt, dass wir bei einer Niederlage oben nicht mitspielen können, weil wir dann nur noch Mittelmaß sind. Das wollten die Spieler nicht auf sich sitzen lassen und zeigten eine Spitzenleistung, die zum verdienten Sieg gegen Opladen führte. Mit zu den auffälligsten Akteuren zählte Zweittorwart Jascha Schmidt. Der löste den diesmal nicht überzeugenden Petre Angelov ab und belohnte das Vertrauen seines Trainers mit einer Top-Leistung. Unter anderem wehrte er fünf sogenannte Unhaltbare ab.

Da strahlte Jascha Schmidt nach dem Abpfiff: „Der Torwart-Wechsel bot sich an, weil Angelov heute nicht gut drauf war. Mir hat es jedenfalls richtig Spaß gemacht.“ Auch Trainer Khan hatte viel Spaß: „Ich habe ja schon immer gesagt, dass wir zwei gute Torhüter haben. Heute hat es jeder gesehen.“

Die Partie begann nicht gut für die Hausherren. Denn nach 14 Minuten lag der Favorit aus Opladen mit 7:4 in Front. Das lag aber vornehmlich daran, dass die SGR die besten Chancen ausließ. Entweder verfehlten Bauer, Mergner, Nitzschmann und Co. knapp das Tor oder scheiterten am Torwart. Dennoch gab das SGR-Team nicht auf. Bis zum Pausenpfiff hatten die Ratinger mit einer unglaublichen Willensstärke die Partie gedreht und führten mit 14:11.

Dieser Vorsprung wurde sogar noch ausgebaut. 23:16 hieß es nach 48 Minuten. Doch nun machte sich der Kräfteverschleiß bemerkbar. So kamen die Gäste noch einmal heran und verkürzten in der 58. Minute auf 25:27. Die Dramatik in den restlichen Minuten war kaum zu überbieten. Erlösend dann das Tor zum 28:25 durch den sechsfachen Torschützen Yannik Nitzschmann.

Erneut stark agierte Filip Lazarov, der neun Tore erzielte und das Spiel lenkte. Kurz vor dem Abpfiff musste er das Feld entkräftet verlassen. Weiterhin zählten zu den Aktivposten Rückraumspieler Marco Bauer (5 Tore) und Rechtsaußen Etienne Mensger (4 Tore). Das große Plus der Ratinger Mannschaft jedoch lag darin, dass alle Spieler sich als Team präsentierten. Von daher braucht die SGR sich vor der Partie beim Spitzenreiter TSV Bonn nicht zu verstecken. Vielleicht schafft es ja die Mannschaft, ein drittes Super-Spiel in Folge abzuliefern.

(City Anzeigenblatt Duesseldorf)