Interview mit Michael Droste, Präsident und Vorsitzender der Roten Funken

Michael Droste im Gespräch : „Ich liebe es, wenn das Trömmelche loslegt“

Im Interview spricht Michael Droste über das Erfolgsgeheimnis der Roten Funken und eine wichtige Entscheidung am Nordseestrand.

Wie macht er das nur? Konditormeister mit eigenem Unternehmen, Präsident und Vorsitzender der Stadtgarde Funken Rot-Wiss (Rote Funken), Sänger beim „Hahnenschrei“ mit Auftritten über das ganze Jahr, Vorsitzender der Stiftung Geschwister Gerhard, Präsidiumsmitglied des TV Ratingen … Irgendwas vergessen? Ach ja, stellvertretender Vorsitzender der CDU Hösel / Eggerscheidt und Mitglied im Bezirksausschuss ist Michael Droste auch noch, mit Ambition auf ein Ratsmandat. Andere könnten sich überfordert fühlen angesichts einer solchen Fülle von Posten und Aufgaben. Michael Droste dagegen wirkt vollkommen entspannt. Also, wie macht er das? Ganz einfach: Er macht es gern. Er liebt, was er tut. Und je näher die tollen Tage rücken, desto größer wird der Spaßfaktor.

Im Jahr 1995 führte Michael Droste das Ratinger Narrenvolk als Prinz durch die Session, an seiner Seite Karin Glanert als Prinzessin. Seither ist er dem Karneval verfallen. Zwei Jahre später wurde er Ehrensenator der Roten Funken und übernahm schon bald Verantwortung. 2002 wurde er zum Präsidenten gewählt, 2012 auch zum Vorsitzenden. Die Fahne des Vereins weht weithin sichtbar vor dem Haus Droste in Hösel, dessen Giebel das Familienwappen der Drostes ziert.

Herr Droste, in der Zeit ihres Wirkens sind die Roten Funken mit über 300 Mitgliedern zu einem der größten Karnevalsvereine in Ratingen herangewachsen. Eine echte Erfolgsgeschichte.

Michael Droste: Natürlich freue ich mich darüber, aber das war nie das Ziel. Der Verein zählte, als ich anfing, circa 60 Mitglieder und befand sich in einer Umbruchsituation. Die galt es zu meistern. Für mich ging es von Beginn an darum, Gemeinschaft zu leben und daran hat sich bis heute auch nichts geändert. Jeder kann sich bei uns einbringen. Unser Vorstand besteht aus 26 Personen, alle haben Mitspracherecht, es wird viel diskutiert. ‚Miteinander, füreinander, mit dem Blick nach vorn‘ – das ist unser Motto. Dabei kommt es auch nicht auf die Anzahl der Mitglieder an. Wir sehen gerade in Ratingen, wie auch Vereine, die weniger Mitglieder haben eine tolle Arbeit leisten und so fester Bestandteil unseres Brauchtums sind.

Wie wichtig ist dabei der Blick nach vorn und wie setzen Sie diese Maßgabe um?

Droste: Stillstand ist Rückschritt. Wir versuchen uns für die Zukunft gut aufzustellen, auch indem wir neue Ideen entwickeln. Beispielsweise die Nostalgiesitzung.

Die noch nicht so eingeschlagen hat, wie Sie das erhofft hatten.

Droste: Ganz klar. Aber es gehört bei der Führung eines Vereines auch einmal dazu, etwas zu wagen und das haben wir getan. Bislang gab es zwei Veranstaltungen und auch eine dritte soll noch stattfinden. Danach werden wir Bilanz ziehen und entscheiden, ob und wenn ja, wie es weiter mit dieser Sitzung laufen soll. Tatsächlich ist es mit dem klassischen Sitzungskarneval, zu dem die Nostalgiesitzung gehört, derzeit schwierig. Die meisten Gäste wollen Party machen, wie z.B. auf unserem Erfolgsmodell „Viva Ratingia“. So sehr ich mich über den Erfolg dieses Sitzungsformates freue, so schade finde ich es, dass der klassische Karneval Probleme hat.

Viele Karnevalsvereine haben Probleme Nachwuchs zu generieren. Die Roten Funken offenbar nicht, woran liegt das?

Droste: Die Jugendarbeit wurde bei uns schon immer groß geschrieben. Um Kindern und Jugendlichen den Spaß am Vereinsleben zu vermitteln und sie an den Karneval heranzuführen, braucht es vor allem qualifizierte Jugendwarte. Die haben wir und sie haben bei uns den nötigen Spielraum, um erfolgreich zu arbeiten. Darauf bin ich sehr stolz und glücklich.

Ein Meilenstein in der jüngsten Vereinsgeschichte darf nicht unerwähnt bleiben: die Renovierung des Kornsturms, dem Hauptquartier der Roten Funken, und vor allem des Wehrgangs.

Droste: Das war allerdings ein hartes Stück Arbeit in den vergangenen dreißig Jahren und wir mussten viel Eigenleistung aufbringen. Aber es hat sich gelohnt.

Und das Gelände um den Turm erhielt unlängst sogar ganz offiziell den Namen „Rote-Funken-Platz“.

Droste: Ja, darüber haben wir uns sehr gefreut. Als ich den Antrag 2016 gestellt habe, war ich nicht sicher ob ich genügend Entscheider finden würde, die meine Idee mittragen würden. Da das Gelände hinter dem Turm bisher keinen Namen hatte, dachte ich, dass ich einen Versuch starten könne. Es ist eine wunderbare Anerkennung für den gesamten Verein und die geleistete Arbeit, nicht nur für den Turm, sondern auch für das gesamte soziale Engagement. Dazu zählt auch unsere „Kumm, loss mer fiere Sitzung“, der Nachmittagssitzung für jung gebliebene Jecken, mit und ohne Handicap. In diesem Jahr feiern wir 55 Jahre mit dieser Sitzung für Senioren und Behinderte.

Herr Droste, wir müssen noch über ihre politische Zukunft sprechen. Sie wollen sich im September für ein Ratsmandat bewerben. Wann ist die Entscheidung dazu gefallen?

Droste: Bei einem Spaziergang mit meiner Frau Andrea am Nordseestrand. Jeder meiner Schritte wird mit der Familie besprochen. Ich habe mit meiner Frau eine fantastische Radgeberin an meiner Seite, die mich in all meinem Tun berät und unterstützt. Dazu zähle ich auch unsere drei Töchter, Schwiegersöhne und unsere beiden Enkelkinder. Familie wird bei uns großgeschrieben. Um aber noch einmal zur Politik zu kommen. Ich bin schon seit vielen Jahren Mitglied im Bezirksausschuss aktiv. Mein Vater war Bürgermeister in Hösel und er und mein Bruder waren zusammen 37 Jahre als engagierte Abgeordnete im Landtag tätig. Die Freude, Dinge mitzugestalten liegt also offenbar in unserer Familie. Ich habe täglich Kontakt mit meinen Kunden und Nachbarn und erfahre so auf kürzestem Weg, wo der Schuh drückt. Bei den Lösungen behilflich zu sein ist doch ein schönes Gefühl. Aber ich muss ja erstmal gewählt werden.

Würde sich die Rolle als Ratsmitglied auf die des Vorsitzenden der Roten Funken auswirken? Sprich: Müssten Sie dort kürzer treten?

Droste: Nein. Die Funken sind in allen Positionen hervorragend aufgestellt und dies sah und sehe ich als meine wichtigste Aufgabe als Präsident und Vorsitzender an, dies zu koordinieren. Als ich in den Verein kam, lagen alle Aufgaben nur bei zwei, drei Personen. Heute ist hier ein großartiges Team unterwegs und darauf bin ich sehr stolz.

Aber ans Aufhören denken Sie nicht?

Droste: Nein, dazu macht mir die Arbeit mit und für den Karneval viel zu viel Freude. Ich liebe es, wenn das Trömmelche loslegt. Oder wenn ich mit dem Hahnenschrei auf der Bühne stehen darf. Das ist purer Spaß. Davon abgesehen habe ich für die Roten Funken auch noch jede Menge Ideen und Projekte für die Zukunft und die möchte ich gerne mit umsetzen.

(dir)