: „Der Jens hat es gut gemacht“

: „Der Jens hat es gut gemacht“

Als der Wuppertaler Immobilienunternehmer Jens Stieghorst 1995 in der Dumeklemmerstadt geschäftlich ansässig wurde, ahnte wohl noch niemand, dass der 51-jährige Fußballbegeisterte das Ratinger Fußball-Schiff durch viele Unwägbarkeiten führen würde.

2001 ließ er sich auch privat in Ratingen nieder. Ein Jahr später wurde er Mitglied bei 04/19. Mittlerweile sind es bereits zehn Jahre, die er als Vorsitzender den Verein lenkt und erst kürzlich wurde Jens Stieghorst für zwei weitere Jahre in seinem Amt bestätigt. Gegenstimmen gab es wie immer keine. Auf Jahreshauptversammlungen war von den Mitgliedern immer wieder zu hören: „Der Jens hat es gut gemacht, also soll er weitermachen.“ Wer sonst als Jens Stieghorst mit seiner ureigenen dynamischen und sympathischen Art sollte den Vorstand auch anführen, zumal seine Vorgänger Heinz Schneider (heute Beiratsmitglied) und Erich von Gersum (heute Ehrenpräsident) aus Alters- bzw. persönlichen Gründen für den Vorsitz nicht mehr zur Verfügung standen.

Wie sich der Verein in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat, ist schon aller Ehren wert. Damals verfügte der Verein über einen Ascheplatz an der Friedrich-Mohn-Straße und 350 Mitglieder. Heute hat sich die Zahl der spielenden Mannschaften auf 31 mehr als verdoppelt, ist die Zahl der Mitglieder auf 800 gestiegen. 550 davon kicken im Kinder- und Jugendbereich. 60 Trainer und Betreuer kümmern sich um den Nachwuchs.

Möglich wurde das alles auch, weil Ratingen 04/19 mit der Fertigstellung der Bezirkssportanlage Mitte (Sportpark Keramag) endlich über eine hochwertige Spiel- und Trainingsanlage verfügt. Finanziert wurde die Anlage von der Stadt Ratingen; die Kosten für die Inneneinrichtung musste Ratingen 04/19 stemmen. Für Jens Stieghorst war es immer wichtig, dass man sein Augenmerk auf den Gesamtverein legen muss: „Es nützt nichts, wenn die erste Mannschaft aufsteigt, aber das Umfeld nicht mit wächst.“So erfreut es den Vorsitzenden auch besonders, dass die gute Jugendarbeit sich auszahlt. Die A- und B-Jugend sollten in dieser Saison den Sprung in die Niederrheinliga schaffen, die C-Junioren haben das Ziel bereits erreicht. „In unserem heutigen Oberliga-Kader sind acht Eigengewächse.

Wir konnten und wollten uns keine ehemaligen Profi-Spieler leisten, sondern wollten diese verstärkt aus der eigenen Jugend heraus entwickeln“, sagt Jens Stieghorst und zieht ein Fazit: „Wir sind sportlich in der Breite gewachsen und finanziell gesundet. Wir sind seit Ende 2016 schuldenfrei.“ Als stark sanierungsbedürftigen Verein hat Stieghorst Ratingen 04/19 vor zehn Jahren als Vorsitzender übernommen. Sein Erfolgsrezept: Auf Perspektiven setzen. Dazu zählte die Fertigstellung des Sportparks Keramag, der schon immer ein Thema war, auf die vorhandene solide Sponsorenschaft zu setzen und diese weiter auszubauen sowie auf ein stringentes Kostenmanagement zu achten. Das bedeutete: Spieler, die nur abkassieren wollten, hatten bei 04/19 keine Chance.

„Das war damals auch noch leichter als heute. Spieler wie z.B. Rehag, Fiodorra, Rohpeter, Zelles oder Meier identifizierten sich mit dem Verein. Das ist heutzutage etwas anders. Talentierte Spieler, die aus Nachwuchszentren kommen, wollen sich bei uns einen Namen machen, um dann den Sprung in den Profi-Bereich zu schaffen. Heute haben die Jung-Kicker teilweise schon Berater oder Manager. Das hat es vor zehn Jahren noch nicht gegeben. Das ist schade, aber das muss man akzeptieren. Die Zeiten haben sich halt geändert“, sagt Jens Stieghorst. Ein wenig Wehmut klingt dabei schon mit, auch wenn Stieghorst sich nicht unbedingt als Fußball-Romantiker sieht.

Die positive Entwicklung des Vereins wurde geschafft, ohne dass er jemals abgestiegen ist. „Leider aber auch nie aufgestiegen“, ergänzt Stieghorst. Mit dem Titel „Tabellenführer in der ewigen Oberliga-Rangliste“ vor TuRU 80 Düsseldorf mag Stieghorst sich aber nicht zufrieden geben.

Da packt ihn schon der Ehrgeiz. „Der Aufstieg in die Regionalliga ist morgen noch nicht zu realisieren. Aber in zwei, drei Jahren könnte das möglich sein, wenn die Entwicklung weiter so gut läuft“, so der Vorsitzende. Zur guten Entwicklung zählt auch, dass Ratingen 04/19 in der Stadt sein Image erheblich verbessert hat. Wer durch die Stadt geht, kann viele Jugendliche und Kinder sehen, die mit Stolz Sportkleidung mit dem Emblem Ratingen 04/19 tragen.

Auch solche Tatsachen motivieren Stieghorst weiterzumachen. „Deshalb ist das Amt auch keine Belastung für mich. Ich werde zudem von vielen langjährigen Mitstreitern wie Michael und Heinz Schneider, Helmut Steigerwald, Andre Schulz und Martin Hasenpflug unterstützt. Wenn das nicht so wäre, würde ich mein Amt zur Verfügung stellen“, sagt Stieghorst. Er sieht sich weder als Mäzen noch als Hauptsponsor, sondern gehört dem RSV-Sponsorenkreis an. „So bleibt mir ein persönliches finanzielles Fiasko erspart“, sagt Stieghorst. Da bleibt er doch lieber Realist. Und deshalb ist der Aufstieg in die Regionalliga auch noch kein kurzfristiges Ziel: „Man sieht ja, dass fast alle Aufsteiger in dieser Halbprofi-Liga nach einem Jahr wieder absteigen, weil der Unterschied zwischen Oberliga und Regionalliga weit mehr als eine Klasse beträgt“, argumentiert Stieghorst. Aber träumen darf man ja. Und das gilt auch für Stieghorst, der keinen Hehl daraus macht, sich über einen finanziell gesunden Aufstieg in die Regionalliga zu freuen. Schauen wir mal, was sich in 2020 so alles tun wird.