: LTC: Höchstens eine Urkunde

: LTC: Höchstens eine Urkunde

Die Tennisdamen des Lintorfer TC (LTC) sind das einzige Team in Ratingen, das den Tennissport noch hochhält, nachdem sich die Männer von Grün Weiß Ratingen aus der ersten Bundesliga zurückgezogen haben.

Wie nahezu überall im Leistungssport läuft ohne Geld fast nichts. Umso erstaunlicher ist es, das der LTC und seine Macher Manfred Büth (selbständiger Immobilienkaufmann, 79) und Achim Hümbs (pensionierter Kripo-Beamter, 64) es geschafft haben, in diesem Haifischbecken zu überleben. Denn das große Sponsoren-Geld fließt auch in Lintorf nicht.

Und wenn dann auch kaum etwas aus der Nachwuchsabteilung kommt, das höheren Ansprüchen genügt, bleibt eigentlich nur zu resignieren.

Nicht jedoch der Vorstand des LTC. Auf die Frage, wie man sich angesichts dieser Situation überhaupt noch motivieren kann, um hochklassig zu spielen, antworten Manfred Büth und Achim Hümbs: „Weil es uns Spaß macht und weil wir viele schöne Momente erlebt haben.“

Und dann macht Achim Hümbs aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Da werden vom Essener Stadtsportbund mehrere tausend Euro pro Spielerinnen und Jahr locker gemacht. Bei uns gibt es höchstens mal eine Urkunde“, bemängelt Hümbs das fehlende Engagement der Tennis-Funktionäre.

Die abgelaufene Saison haben die LTC-Damen als Vierte beendet. Dass sie dennoch aufgestiegen sind, lag an glücklichen Umständen. So sind der Erste und der Zweite, jeweils Zweitvertretungen von Bundesliga-Mannschaften, vom Aufstieg ausgeschlossen. Der Dritte, das Team aus Halle (Westfalen) musste zurückziehen, da sich ihr Sponsor, der Textilfabrikant Weber derzeit mit anderen Sorgen rumschlagen muss.

So wurde der LTC gefragt, ob er denn nicht aufsteigen wolle. „Nach kurzer Überlegung haben wir Ja gesagt“, erklärt Manfred Büth. Um eine schlagkräftige Mannschaft stellen zu können, musste der Verein von seiner Idee, ausschließlich mit deutschen Spielerinnen die Saison zu überstehen, Abstand nehmen.

Die erste Sechs plus eine Ersatzspielerin setzt sich aus drei Deutschen, zwei Holländerinnen, einer Belgierin und einer Französin zusammen. Nach einer einjährigen Babypause ist auch wieder das Lintorfer Gesicht, Daniela Kalthoff, am Start. Die mittlerweile 42-jährige ist immer noch fit genug, um als Nummer sechs oder Ersatzspielerin auch in der 2. Bundesliga mithalten zu können. Als Nummer eins, wird die Französin Constance Sibille aufschlagen. Die 29-Jährige ist in der DTB-Rangliste auf Platz B/A 50 platziert. Als Nummer zwei spielt ein neues Gesicht beim LTC: die 22-jährige Belgierin Eliessa Vanlangendonck (DTB A 52).

Mannschaftsführerin und Nummer drei ist die aus Heinsberg stammende Laura Heinrichs. Die 29-jährige (DTB 61) ist seit drei Jahren Mitglied beim LTC. An Nummer vier und fünf folgen die Holländerinnen Anouk Tigu und Nicole Thijssen. An Position sechs und als Ersatzspielerin werden Daniela Kalthoff und Emelie Luisa Schwarte beim Saisonstart dabei sein.

Am Freitag zum Saisonauftakt der 2. Bundesliga genießt der LTC Heimrecht gegen den Hamburger Club an der Alster. Die Lintorferinnen sind in der Außenseiterrolle. Doch Sportwart Achim Hümbs sieht der Partie optimistisch entgegen: „Wie immer wird entscheidend sein, mit welcher Aufstellung die Hamburgerinnen hier bei uns antreten. Das ist immer ein Lotteriespiel.“

Die 2. Bundesliga Damen, Gruppe Nord, setzt sich aus sieben Mannschaften zusammen. Neben dem LTC und dem Club an der Alster sind dies der THC Hamburg-Horn und Hamm, Bayer Leverkusen, TC Union Münster, TC BW Berlin und der SC Marienburg aus Köln.

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